August 21

wien

fünf tage in wien – zu kurz für alles was ich gerne gesehen und getan hätte. beeindruckende barrockarchitektur nicht nur in der innenstadt sondern an vielen orten, die ich mit citybike und fahrrad erkunde, sommerleben auf dem badeschiff am donau kanal, etliche museen moderner und zeitgenössischer kunst, orte der alternativen szene, …

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alle bilder aus wien bei flickr >>

mein längerer sommerurlaub beginnt am mittwoch, den 15.8. abends mit dem nightjet von düsseldorf nach wien. ich leiste mir ein abteil im schlafwagen, was für eine zugfahrt durch die nacht recht komfortabel ist, mit richtigem bett, waschgelegenheit, dusche im waggon und frühstück am morgen.

aber schon am hauptbahnhof düsseldorf verzögert sich die abfahrt aus irgendwelche technischen gründen um etwa eine stunde, die wir am gleis 20 stehen bleiben. aber da der zug planmäßig um kurz nach 8 uhr am morgen ankommen soll, mache ich mir noch wenig gedanken, um 9 uhr habe ich in wien immer noch einen ganzen tag vor mir.

der zug fährt über köln, bonn, koblenz auf der schönen alten rheinstrecke, wovon ich im dunklen aber wenig mitbekomme 😉 in bingen bleibe wir dann wieder für ca. 3 stunden am bahnhof stehen. im db navigator auf dem smartphone lese ich, verspätung wegen notarzteinsatz am gleis in mainz. ein etwas trüber start in den urlaub 🙁

aufgrund der verspätung ist der zug erst am morgen in passau und so fahre ich beim frühstück im hellen weiter durch österreich, bis der zug mit ca. 2 stunden verspätung wien am frühen mittag erreicht.

am hauptbahnhof treffe ich noch zufällig einen arbeitskollegen, der von passau mit dem fahrrad an der donau entlang nach wien gefahren und jetzt auf dem weg zurück ist.

nur wenige hundert meter vom bahnhof entfernt finde ich das hotel schani in modernem design mit coworking space, checkin und zimmerschlüssel auf dem handy, skateboard- und rollerverleih.

aber leider ist mir beim frühstück mal wieder ein stück zahnfüllung herausgebrochen und so beschäftige ich mich zuerst damit, eine zahnarztpraxis zu finden, weil ich nicht riskieren will später in ungarn oder griechenland zum zahnarzt zu müssen. das ist gar nicht so einfach, denn gleich mehrere praxen haben eine ansage auf dem telefon, dass sie noch in urlaub sind. schliesslich finde ich eine praxis in der nähe und bekomme direkt um 15 uhr einen termin von die lücke von einer netten zahnärztin gut wieder gefüllt wird.

schließich starte ich statt am frühen morgen erst um 16 uhr die erste erkundungstour durch wie. ich leihe mir an einer citybike station am bahnhof ein fahrrad und fahre zum belvedere, ein größerer park mit zwei prunkvollen schlössern, dem oberen und dem unteren belveders. da fahhräder im park nicht erlaubt sind, gebe ich es an einer naheliegenden station wieder ab und betrete den park am oberen belvedere, mit schönem ausblick auf die stadt, zu fuß.

ich laufer herunter durch den park, der zusammen mit den schlössern die sommerresidenz von Prinz Eugen von Savoyen (1663–1736) bildete. er ging in die geschichte als kriegsherr in den schlachten gege die den balkan dominierenden türkischen herrscher, aber auch als einer der ersten bekannten adeligen schwulen österreichs mit großem sinn für die künste.

vom unteren belvedere laufe ich den rennweg ein stück hinauf bis zum fasanplatz, wo ich an einer citybike station wieder ein fahrrad leihe. das system dieser citybike fahrradstationen in der city ist sehr praktisch. nach einmaliger registrierung für einen euro kann man an über 120 stationen in den innerstädtischen bezirken fahrräder leihen und an einer beliebigen anderen station wieder abgeben. dabei ist die erste stunde gratis, die zweite kostet einen eure, die dritte zwei euro und jeder weitere stunde vier euro.

mit dem rad durchkreuze ich den 3. bezirk östlich der innenstadt mit einigen kommunalen wohnhöfen aus der nachkriegszeit und fahre vorbei am kulturzentrum arena weiter zum gasometer im 11. bezirk, einem ehemaligen gaswerk dessen vier große gasometer in wohnungen, shops und lokale umgewandelt wurden.

von hier aus geht es dann nach norden zum donaukanal der – abgesehen von den schnellstraße auf beiden seiten – hier am unteren prater noch recht naturverbunden ist. ich nehme einen etwas rumpeligen weg direkt am nordöstlichen ufer und fahre zurück richtung innenstadt.

quer durch die großen grünanlagen der praters geht es dann zum volks- und wurstlprater, den ich doch auch gesehen haben wollte, wenn ich dann mal in wien bin, incl. nächtlicher fahrt auf dem ca. 200m hohen kettenkarrussel und dem traditionellen wiener riesenrad.

am freitag starte ich wieder mit einem citybike vom hauptbahnhof, diesmal direkt in zentrum zum karlsplatz im 4. bezirk mit karlskirche und der skulptur „Hill Arches“ von henry moore, die einen weichen kontrast vor dem sakralen barrockbau bildet. unmittelbar nördlich vom karlsplatz beginnt schon der 1. bezirk mit etlichen prunkvollen stadthäusern wie dem musikvereinsgebäude am musikvereinsplatz.

etwas östlich vom karlsplatz steht am schwarzenbergplatz ein hochstrahlbrunnen der seit 1873 an die erste wasserversorgung wiens aus den hochquellen der alpen erinnert. bis heute fließt aus dem wasserhahn und vielen öffentlichen wasserstellen in der stadt das gute hochquellwasser. direkt daneben das sowjetische denkmal zur befreiung nach dem 2. weltkrieg.

von hier aus geht es wieder durch den 3. in den 4. bezirk, vorbei am sterbehaus schuberts, einem weiteren berühmten wiener schwulen, zum naschmarkt im 6. bezirk. einen langezogenen markt mit einigen obst, käse und gewürzständen, hauptsächlich aber läden touristischen souveniers und gaststätten, über dem wien fluss, der hier unter die erde verbannt ist.

am ende des naschmarktes stoße ich auf die secession, dem 1897 erbauten ausstellungsgebäude der „Vereinigung bildender KünstlerInnen Österreichs“ die sich damals für eine angemessene präsentation zeitgenössischer kunst einsetzte und vom konservativen künstlerhaus abgespalten hatte. es ist somit das weltweit älteste ausdrücklich der zeitgenössischen kunst gewidmente austellungshaus. ich schaue mir die aktuellen ausstellungen an, besonders interessant: eine bitcoin mining installation mit schaltkreisen, kabeln, kühlkörpern, … die neue währung in der kunst.

von hier aus geht es weiter in das historische zentrum im 1. bezirk, vorbei an der staatsoper und der albertina komme ich zum mahnmal gegen krieg und faschismus von alfred hrdlicka, der das leid in weissen stein gemeißelt hat und einen „strassenwaschenden juden“ in bronze. das ganze ist etwas unwirklich inmitten der barrocken prunkbauten und unmittelbar flankiert von den fiaker-kutschen und pferden die hier aus touristen warten.

durch die gassen nordöstlich der hofburg gelange ich zunächst zum michaelerlatz und von dort dann durch die hofburg zum heldenplatz mit großen reiterstatuen von prinz eugen und erzherzog karl.

auf dem heldenplatz stehen aber auch zwei große schwarze „parlamentspavillions“, ein teil der ausgelagerten büros von abgeordneten und fraktionen während das historische parlamentsgebäude renoviert wird. aussen auf den pavillions sind auf einem texilnetz zitate aus der verfassung und der UNO-menschenrechtscharta aufgedruckt.

durch den kleinen volksgarten im norden des heldenplatzes, mit theseustempel und rosen aus patenschaften für planzen in den bundesgärten die bestimmten personen gewidment sind, komme ich dann zum burgtheater und auf dem rückweg dann vorbei an bundeskanzleramt und präsidentschaftskanzlei in der hofburg.

direkt neben dem bundeskanzeramt steht ein denkmal für die verfolgten der ns-militärjustiz, das sich erst dann richtig erschließt, wenn man heraufklettert. sichtbar wird dann das X, das die bedrohung des*der einzelnen durch anonymisierung und auslöschung, als X in der akte aber auch im wirklichen leben bzw. sterben, durch gesellschaftliche ordnungs- und machtverhälnisse symbolisieren soll.

mittlerweile ist es früher abend und ich mache mich auf den weg zum donaukanal, wo jetzt im sommer viele kleine café’s, clubs u.ä. zum verweilen am kanal einladen. mich zieht es aber zum badeschiff wo man sich auf einem schiff nicht nur sonne sowie essen und trinken kann, sondern auch in einem 5m x 27m großen pool schwimmen.

nach dem heißen tag tut es am abend richtig gut in den kalten pool zu springen und vor der kulisse des donaukanals zu schwimmen. danach dann auf dem „sonnendeck“ trocknen und später auch noch essen und trinken. besonders empfehlenswert: der badeschiffspritzer. weissweinschorle mit pinken guavensirup.

das badeschiff ist teil einer ausgebreiteten aber auch etwas chaotischen, diversen und alternativ orientierten kultur mit kneipen, inklusionsprojekten, urban gardening und mehr am donaukanal, die allerdings von einigen politiker*innen und behörden auch bekämpft wird.

am samstag nehme ich mir dann die stadteile westlich der innenstadt vor und fahre mit dem citybike zunächst in den 4. bezirk einer eher ruhigen wohngegend und weiter in den 5. bezirk bis zum wie fluss wo ich am lesben- und schwulenhaus vorbeikomme.

auf der anderen seite des wien flusses geht es dann wieder auf einen kleinen hügel hinauf und oben stoße ich am esterházypark auf das haus des meeres in einem flakturm aus dem zweiten weltkrieg.

eigentlich hatte ich hier nur das foltermuseum gesucht, dass sich in einem kellerbunker neben dem flakturm befindet. aber vor allem die aussicht vom dach des haus des meeres reizt mich, so dass ich überlege es auch zu besuchen. zuerst mache ich aber noch eine kleine runde durch den angrenzenden 7. bezirk, der mir hier mit vielen kleinen läden, kneipen und cafés gut gefällt.

am ende der kleinen rundfahrt rund um die neubaugasse im 7. bezirk besuche ich dann das haus des meeres incl. der schönen aussicht vom dach auf die stadt und das foltermuseum nebenan.

das foltermuseum verbindet eindringlich die darstellung mittelalterlicher foltermethoden mit den aktuellen welteweiten menschenrechtsverletzungen durch folter mit einem ausstellungsteil von amnesty international und einem eigenen raum zu guantanamo.

nach den museumsbesuchen fahre ich nochmal durch den 7. bezirk bis zum spittelberg oberhalb des museumsquartiers. aus dem bezirk führt eine streetart passage herunter in den komplex mit mehreren museen moderne und zeitgenössischer kunst von denen ich einen teil auf jeden fall noch besuchen möchte, aber nicht heute. die streetart passage ist eine von sechs themenpassagen im museumsquartier die als mikromuseum im öffentlichen raum das areal ergänzen, das im zentrum vor allem vom weissen leopold museum und vom dunklen museum moderner kunst stiftung ludwig beherrscht wird.

zufällig lege ich auf dem platz der menschenrechte eine kurze pause ein, weil ich ein citybike nach einer stunde zurückgebe und nach 15 minuten dann ein neues leihen kann, bei dem dann wieder die erste stunde gratis ist. auf dem platz der menschenrechte gibt es eine skulptur „um gedenken an den in der schubhaft durch fesselung und knebelung zu tode gekommenen nigerianer marcus omofuma“ und einen tisch mit zitaten aus der allgemeinen erklärung der menschenrechte.

von hier aus geht es weiter nach norden vorbei am rathaus und dem hauptgebäude der uni wien zum campus auf dem gelände des alten allgemeinen krankenhauses in wien. der uni campus ist hier im august natürlich ziemlichverlassen, aber hat trotzdem eine angenehme atmosphere. eigentlich wollte ich ja das pathologische museum im narrenturm besuchen, aber das hat schon geschlossen und auch in den nächsten zwei tagen keine öffungszeiten. muss ich also auf den nächsten besuch in wien verschieben.

ich fahre wieder herunter zum donaukanal, vorbei am ringturm, einem hochhaus das regelmäßig mit bildern verkleidet wird, aktuell von Gottfried Helnwein: I saw this. später geht es dann wieder in den kühlen pool auf dem badeschiff bevor ich zum lousiana blues pub am schwarzenberg platz fahre, wo heute danny chicago mit einem bob-dylan-tribute aufwartet.

am sonntag lege ich einen museeumstag ein und starte erstmals mit der strassenbahn ins zentrum der stadt. beginnen möchte ich mit dem „Internationalen Phantastenmuseum“ im palais pálffy, auf dem weg dahin streife laufe ich durch den burggarten der hofburg und wieder vorbei an der albertina.

leider wurde das museum auf einen raum reduziert, in dem vor allem viele portraits von personen, die auf die eine oder andere art als phantasten eingeordnet werden, hängen. von hironymus bosch, issac newton, fancisco de goya, charles pierre baudelaire, jules verne bis zu sigmund freund. am ende aber auch verweise auf goebbels und das wirken der faschisten gegen die kunst, z.b. beim verbot künstlerischer betätigung das die reichskammer der bildenden künste gegenüber konrad gütersloh aussprach, wegen des fehlens der „erforderlichen Zuverlässigkeit um an der Förderung deutscher Kultur in Verantwaltung gegenüber Volk und Reich mitzuwirken“.

vom palais pálffy geht es dann durch die hofburg und vorbei am naturhistorischen museum zum museumsquartier. ich starte mit dem weissen leopold museum, das im obersten stockwerk in der ausstellung „WOW“ die „Heidi Horten Collection“ zeigt, mit werken aus der privatsammlung die wie ein who is who der zeitgenössischen kunst des 20. und 21. jahrhunderts anmuten.

in den etagen darunter gibt es dann u.a. eine ausstellung zu gustav klimt und eine zu egon schiele. die auswahl der bilder lässt mich den besonderen stil der beiden wiener künstler auf der suche nach starkem ausdruck gut nachvollziehen. so die düstere stimmung in klimts tod und leben und auch in den sogenannten fakultätsbildern. sie haben etwas zu tun mit dem düsteren zustand der welt am anfang des letzten jahrhunderts.

um die fakultätsbilder gabe es einen regelrechten skandal, da klimt philosophie, medizin und jurisprudenz nicht erhaben und wahrhaftig darstellt sondern verschlungen in dunklen welten. so wird auf dem bild der jurisprudenz ein alter sünder nackt und hager von einem mächtigen polypen umklammert und rachegöttinen mit goldenen schlangen im haar umlagern ihn drohend. das regt zum nachdenken über diese wissenschaften an. viele professoren damals kritisierten die bilder und am ende gab klimt den auftrag zurück.

Genug der Zensur. Ich greife zur Selbsthilfe. Ich will loskommen. Ich will aus all diesen unerquicklichen, meine Arbeit aufhaltenden Lächerlichkeiten zur Freiheit zurück.
Gustav Klimt, 1905

egon schiele war ein schüler klimt’s. er wurde nur 28 jahre als schuf in dieser zeit aber ein umfängliches werk. dabei sind seine selbstdarstellungen geprägt von der suche nach identität in der expressiven darstellung seines körpers.

Ich bin Mensch, ich liebe den Tod und liebe das Leben.
Egon Schiele, 1910

vom leopold museum laufe ich durch den belebten platz im zentrum des museums quartiers herüber zum museum moderner kunst stiftung ludwig (mumok) und starte mit der ausstellung „Doppelleben – Bildende Künstler_innen machen Musik“. in mehreren sälen hängen leinwände und kopfhörer um die unterschiedlichsten videos musizierender künstler*innen, beginnend mit fluxus, john cage und nam june paik, aber auch kunstvideos mit musik.

weitere spannende ausstellungen im mumok sind die ausstellung politischer photograpie in österreich „Photo/Politics/Austria“ und „55 Dates“ mit highlights der sammlung des mumoks wie großen plüschtieren in einem nachgestellten studio von cosima von bonin (The Bonin / Oswald Empire’s nothing #3, 2010), einem phantastischen räderwerk mit vielen riemen verbunden, das stündlich musik macht von jean tinguely (Méta-Harmonie, 1978) oder einem mit allerlei gebrauchs- und kitschobjekten ausgestattetes klavier von nam june paik (Klavier Intégral, 1958-1963).

eigentlich wollte ich auch noch in die kunsthalle im museumsquartier, aber es ist schon nach 18 uhr und daher lohnt das nicht mehr so richtig. da ich am abend im unteren belvedere ins kino im kammergartem gehen will und die ausstellungen dort im ticket einbegriffen sind, fahre ich lieber mit dem citybike hinüber zum unteren belvedere.

die ausstellung „Klimt ist nicht das Ende“ zeigt die künstlerischen entwicklungen in österreich zu beginn des 20. jahrhunderts bis zum zweiten weltkrieg. sie ordner sich zeitlich und thematisch, beginnend mit formkunst und abstraktion in den 10er jahren über die auseinandersetzung mit dem ersten weltkrieg von begeisterung bis ernüchterung, psychogramme der nachkriegszeit, aufbruch und revolutionäre werke in den 20er jahren, surrealistische antworten auf die unübersichtlichkeit zwischen der nostalgie der alten ordnung und der begeisterung für neue systeme, dem kubismus, konstruktivismus, bauhaus, expressionismus, neuen realismus bis hin zur phantastik von bildern bizarrer bedrohungen und dem zerfallen des individuums in der zeit vor der faschistischen herrschaft.

mitten in der ausstellung steht in einem marmorsaal ein brunnenensemble von Georg Raphael Donner aus dem jahr 1739, gegossen in einer für wien typischen blei-zinn-legierung mit besonders hohen bleianteil. ursprünglich für einen öffentlichen brunnen vorgesehen, missfielen die figuren in ihrer nacktheit aber maria theresia und der von ihr eingerichteten keuschheitskommission und mussten daher wieder entfernt werden.

in einem anderen flügel schaue ich mir nur ein wenig den prunk des schlosses eischließlich des spiegelsaales an, bevor ich mich im kammergarten in einen liegestuhl lege und mir michelangelo antonionis „Zabriskie Point“ ansehe. im openair kino im garten des barroken schlosses werden den sommer über filme des „Spirit of 68“ gezeigt, was der atmosphere des films aus dem jahr 1970 mit studentischen protesten, neuen formen des lebens und liebens und dem death-valley-nationalpark zu einem besonderen erlebnis macht.

am montag leihe ich mir im hotel schani einen e-roller, mit dem ich mit knapp 30 km schnell durch die sommerlichen straßen wiens fahre und mir noch ein paar orte der alternativen kultur wie das autonome zentrum im ernst kirchweger haus (EKH)  im 10. bezirk und die pankahyttn im 15. bezirk. in der u-bahnstation südtiroler platz schaue ich mir die installation „Süd“ von franz graf an und frühstücke danach im café jelinek und nehme mir schon etwas zeit die tage in wien zu beschreiben.

von der pankahyttn, zu der ich nach dem kaffehaus gerollert bin, fahre ich dann wieder herunter in die innenstadt und schaue mir in der wienbibliothek im rathaus die ausstellung „Wir wissen daß diese Beamtenschaft ihr Pflicht auch im neuen Wien tun wird – Die Wiener Stadtverwaltung 1938“ an. dokumente aus den jahren 1938 und 39, nach dem „Anschluss“ an das deutsche reich dokumentieren die schnelle und willige anpassung der öffentlichen verwaltung an die faschistischen herrscher in nur einem jahr über 16 stationen.

wie immer habe ich mir zuviel vorgenommen, will eigentlich noch mit dem roller zum karl-marx-hof und in den 2. bezirk und am ende zur alten donau zum schimmen und zum ausklang. aber die zeit ist zu knapp und zudem ist der akku des e-rollers nach 18 km verbraucht und so fahre ich mit der straßenbahn erst zurück zum hotel schani und dann wieder mit dem citybike zuerst zum hundertwasserhaus im 3. bezirk und dann über den donaukanal zum praterstern und weiter bis zur donau. einmal während meines besuches will ich dann doch die richtig donau mal gesehen habem. der weg führt mich durch eine etwas gehobene trabantenstadt im nordosten des 2. bezirks und dann auf reichsbrücke über die donau zur donaucity bzw. uno-city.

auf dem rückweg komme ich an der vorgartenstraße ecke lassallestraße dann noch an einem wohnhof „erbaut von der gemeinde wien in den jahrn 1924-1925 aus den mitteln der wohnbausteuer“ vorbei, der ebenso wie der karl-marx-hof in den 20er jahren entstanden ist, im rahmen des neuen sozialen wohnungsbaus im „roten wien“, wie die stadt damals wegen der sozialdemokratischen stadtregierung genannt wurde.

über den praterstern geht es weiter durch die taborstraße im zweiten bezirk in der sich auch eine nett anmutende kneipenkultur ethabliert hat und dann über die aspern-brücke am planetarium urania aus dem jahre 1910 über den donau kanal, wo ich auf dem badeschiff den letzten abend in wien ausklingen lasse.

am dienstag nehme ich mir noch zeit im netten café des hotel schani um diesen bericht fertigzustellen. locker hätte ich doppelt soviel zeit in wien verbringen können und dies wird sicher nicht der letzte besuch gewesen sein. ich poste zunächst nur den text ins blog, weil mir für das einbauen der bilder die zeit fehlt. das hole ich vielleicht noch im laufe des weiteren urlaubs nach. alles angesehen werden kann ja im album bei flickr.

denn gleich geht es weiter nach budapest und im zug möchte ich mich noch auf die neue stadt vorbereiten.




thomas molck

Verfasst 21. August 2018 von xthomas in category "at - wien