Februar 25

durban tour und weiterreise

eine tagestour durch durban, von der ushaka marine world am meer entlang bis zur golden mile, wo die surfer von den piers in die wellen springen und dann ins zentrum der stadt, zu wandbildern und spannenden ausstellungen in der durban art galler und schließlich in den hafen zum kulturzentum the bat und aufs schiff. auf der weiterreise in die transkei lese ich dann ein buch über die kunst des widerstandes in südafrika.

ich laufe wieder durch die ushaka marine world, morgens zwischen 10 und 11 uhr ist hier am sonntag schon einiges los, am dienstag ist es um diese zeit noch recht leer. das ganze ist zwar ein großes spassbad mit shopping mall, aber immerhin beginnt direkt dahinter das meer 🙂

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am sonntag laufe ich erstmal nach süden bis zur hafeneinfahrt die hier den strand unterbricht. in dieser gegend werden gerade nobel-immobilien mit kleinen grachten dazwischen gebaut. sonst ist hier aber nicht viel zu sehen, also laufe ich wieder zur golden mile.

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die golden mile ist das touistische zentrum durbans mit langem strand, hochhäusern und dazwischen kleine pools und ein vergnügungspark. ich glaube, durban ist sowas wie das mallorca südafrikas und die grosse masse der urlauber hier sind südafrikaner. ganz anders als in cape town, wo an der waterfont die ethablierteren internationalen touristInnen und in der longstreet die jüngeren und alternativen zu finden sind. und am dienstag sind auch hier viel weniger menschen als am sonntag, als waren die meisten strandurlauber am sonntag vermutlich menschen aus durban die am wochenende ans meer gefahren sind. die sommerferien in südafrika sind vorbei, daher ist das jetzt hier wohl eher nachsaison.

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es ist auf jeden fall ungewohnt am strand kaum weisse zu sehen. ein wenig anders ist das bei den surfern, da sind die weissen wieder in der mehrheit. aber am strand beim happy hippo gibt es auch ein projekt, in dem südafrikanische strassenkindern touristInnen das surfen beibringen.

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von der golden mile laufe ich dann in die innenstadt. und ich merke schon, dass ich mich hier anders verhalte als in europa oder australien, das ich genauer beobachte wer neben oder hinter mir läuft und meine kamera nur zum fotografieren aus dem rucksack hole. einmal spricht mich eine weisse frau mittleren alters aus einem auto heraus an, als ich gerade fotografiere. ich verstehe nicht so genau was sie sagt, aber ich glaube, sie meint ich sollte meine kamera hier besser nicht zeigen.

am internationalen konferenz center steht eine mauer mir wachtürmen und graffities, die die südafrikanischen „temporary bill of rights“ darstellen, menschen- und grundrechte mit entsprechenden bildern aus dem südafrikanischen leben.

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ein stück weiter hinter dem einkaufzentrum „the workshop“ gibt es am sonntag einen großen flohmarkt an einem park und in der mitte des parks finde ich den red ribbon als skulptur zum thema aids. ich habe den eindruck, in den museen wie im öffentlichen raum setzt sich kunst hier in südafrika weit mehr mit den aktuellen sozialen und politischen problemen auseinander als etwas bei uns in deutschland.

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der eindruck bestätigt sich etwas später auch in der öffentlichen art gallery zweiten stock der bibliothek und des naturkundlichen museeums direkt hinter dem rathaus.

im foyer gibt es eine ausstellung „no longer at this adress – navigating post-apartheid identities“ die die umbennung der strassen in durban nach der apartheit dokumetiert. die hintergründen von strassennahmen vor und nach der apartheit werden beschrieben, z.b. bei der ehemaligen alice street, benannt nach der zweiten tochter von queen victoria und prinz albert, die heute johannes nkosi street heisst, nach einem der ersten vorsitzenden der kommunistischen partei südafrikas die an vielen protesten gegen die weisse regierung beteiligt war und mit 25 jahren während einer protestaktion auf der alice street einen brutalen tod fand.

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nebenan in der ausstellung „then and now“ werden bilder von 8 südafrikanischen dokumentar-fotografen von früher und heute ausgestellt. z.b. von eric miller, der zu seiner arbeit damals schreibt:

„I was drawn to shoothing pictures of what was happening, and i became very aware of how the news was being presented, especially on television but also in the newspapers. There was a voice inside me saying, this isn’t true, I can’t believe what they are saying, this doesn’t make sense. Some of the police versions of events just did not sound logical to me, and going out with a camera was away of going to see for myself, a pretext to immerse myself in some of those things and to see the truth. And I started seeing how an event that had unfolded in front of me was being presented on the 8 pm television news, and it would be completely different.“

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foto von eric miller, police raid the headqauters fo the congress of south african trade unions, johannesburg, 1987

heute sieht er sich nicht mehr als news-fotograf, der die kamera schnell dahin hält, wo es explodiert, sondern beschäftigt sich mehr mit den langsamen veränderungen der südafrikanischen gesellschaft und fotografiert auch an verschiedenen anderen orten der welt.

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foto von eric miller, inmate in a mental hospital in sierra leone, mai 2002

eine weitere ausstellung zeigt aktuelle werke von künstlerInnen aus der region kwazulu-natal.

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von der art gallery laufe ich zum hafen. durban hat einen sehr großen hafen, aber die meisten hafenanlagen sieht man nur recht weit entfernt auf der anderen seite des hafens. auf der stadtseite gibt es ein kleines marinemuseeum wo man auf zwei schiffen herumklettern kann.

etwas weiter stoße ich in einem alten hafengebäude auf das kulturzentrum the bat. eine art soziokulturelles zentrum mit einer „democratic gallery“, einem „visual art studio“, einem „mission control conference center“ und dem „ocean eleven cafe“.

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„Established in 1995, the centre is a home for all who seek support & vibrant space to develop there artistic talent. It is a non-profit organization dedicated to the promotion of the music, visual arts, dance, crafts and literature of KwaZulu-Natal.“

hier trinke ich sonntag einen kaffe während ein paar musiker mit trommeln, gitarren und anderen instrumenten eine session beginnen. am dienstag gibt es hier zwar keine live-session im cafe, aber hinten im zentrum hört man eine gruppe afrikanische rythmen proben und ein junger künstler läd mich ein, die werke die hier die künstlerInnen selbst ausstellen im „visual art studio“ anzusehen.

hier im the bat finde ich auch erste hinweise auf aktuelle politische auseinandersetzungen auf einem plakat auf dem gefordert wird, auch die armen der stadt bei der fussball weltmeisterschaft einzuschließen und ihre rechte zu wahren.

„nothing for us without us
no relocation without alternatives
negotiation and social dialog“

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von hier aus laufe ich richtung yachthafen und am dienstag mache ich von hier aus eine kleine hafenrundfahrt. auch hier gibt es gerade nur wenige interessierte. vom kleinen yachthafen, wo ich das bootfahrten-angebot entdeckt habe, fahren wir zuerst zu wilsons wharf, sowas wie dem touristenhafen mit läden und restaurants. von hier starten die touren wohl eigentlich.

auf meiner rundfahrt bin ich dann mit dem skipper alleine und dazu beginnt es auch noch in strömen zu regnen. zum glück ist das schiff überdacht und so bleibe ich einigermassen trocken, aber es erinnert mich schon ein wenig an regenfahrten auf der nordsee. nur wärmer ist es zu glück dabei, obwohl es mit dem regen kurzzeitig durchaus etwas abkühlt.

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vom hafen laufe ich dann zum victoria street market, dem indischen markt in durban. durban hat ja aufgrund seiner lage am historischen schiffahrtsweg von indien nach europa einen starken indischen einfluss. hier ist aber am frühen abend schon alles geschlossen.

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ich nehme dann einen „people mover“ bus zurück zum happy hippo. „people mover“ nennen sich busse, die neben den normalen lokalen bussen und den minibussen durch die stadtteile im zentrum fahren. kostet aber trotzdem nur 4 rand (40 cent).

am dienstag verbringe ich meinen letzten abend dann in einem netten restaurant auf der terasse mit blick aufs meer aber leider gibt es keinen sonnenuntergang im osten. morgen früh geht es dann weiter an die wild coast nach coffee bay.

ich fahre am mittwoch um kurz vor 7 uhr morgens mit dem baz bus los, einem backpacker bus der zwar etwas teurer als normale linienbusse ist, dafür aber alle backpacker abfährt was hier auf jeden fall ein vorteil ist. dafür fahren wir aber auch erstmal eineinhalb stunden kreuz und quer durch durban bis wir an der küste entlang nach norden unterwegs sind. im umzumbe treffe steigt ben zu, der hier die letzten drei tage in einem netten backpacker mit baumhäusern verbracht hat und jetzt auch nach coffee bay will. danach geht unsere strasse ins landesinner in die transkei, einem ehemaligen homeland.

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im bus lese ich ein buche von sue williamson über die kunst des widerstands in südafrika, dessen erste auflage 1989 erschienen ist und das ich in der national gallery in cape town gekauft habe.

bis mitte der 70er jahr setzten sich künstlerInnen in südafrika nur wenig mit der sozialen und politischen situation auseinander. für weisse sieht der dichter breyten breytenbach in dieser kultur sogar eine abschirmung von der realtität.

„The artist, who closes his- eyes to everyday injustice and inhumanity will without fail see less with his writing and painting eyes too.“ (Breyten Breytenbach zit. in: Williamson, Sue: Resistance art in South Africa. 2. Auflage, Cape Town 2004, s. 8)

1976 protestierten jugenliche in soweto gegen die apartheit. die polizei antwortete auf den friedlichen protest mit gewehren. das beschreibt williamson als den beginnt landesweiter unruhen mit hunderten von toten und tausenden flüchtlingen. dies habe südafrika in wenigen monaten grundlegend verändert und danach habe sich auch eine kunst des widerstandes entwickelt.

1979 gab es konferenz zur aktuellen situation der kunst in südafrika an der university of cape town, zu der auch schwarze künstlerInnen eingeladen wurden aber nicht erschienen. dies löste eine diskussion aus, an deren ende die künstlerInnen versprachen, nicht mehr zuzulassen das ihre werke zur repräsention südafrikas in übersee ausgestellt werden, solange in südafrika nicht alle staatlich geförderten kunst-institutionen offen für schwarze und weisse sind.

drei jahre später gab es eine konferenz in botswana, ausserhalb südafrikas damit auch künstlerInnen im exil teilnehmen können, an der scharze und weisse beteiligt waren. mittlerweile hatte sich die kunst des wiederstandes entwickelt.

„If the media can be used to brainwash the withe electorate and dominate the mass of opressed people in South Africa, then it can, in a different form, be used to fight that domination.“ (Williamson, S. 9)

das buch ist eine art kunst-katalog des widerstandes. dabei dokumentiert es eine große vielfalt von schwarzen und weissen künstlerInnen und werken, von malerei, zeichnung und skulptur bis hin zu wandbildern, peace-parks, t-shirts u.ä.

gegen mittag kommen wir dann im mthatha an, von wo aus uns ein shuttle des coffee shack backpackers über eine der beiden schlechten strassen, die in der transkei an die wild coast führen, nach coffee bay bringt.



thomas molck

Veröffentlicht25. Februar 2008 von xthomas in Kategorie "za kwazulu-natal

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