Februar 12

central business district

von „the nunnery hostel“ laufe ich die nicholson street hinunter. vor mir die skyline des central business district. etliche kräne fallen zwischen den hochhäusern ins auge, teilweise wird hier gebaut, teilweise gehören sie aber auch zur architektur. ich bummle durch den central business district. im grunde eine einkaufszone wie in anderen großstädten auch …

auf der russel street ist ein markt mit vielen kleinen ständen zum chinesischen neujahrsfest. satespieße in allen variationen, horoskope und meditationskurse am stand sind im angebot.

zwischen den blocks gibt es grosse überdachte shopping center. eine kleine gasse, centre place hebt sich etwas ab vom glatten sauberen shopping image. ein dutzend kleiner cafes und food shops hat etwas mehr charme des heruntergekommenen. die preise sind günstig, der kaffee ist gut und so bleibe ich etwas und beobachte die vorbeiziehenden leute.

in den Bnews , einer zeitung über „gay, lesbian, bi & transgender entertainment, news & livestyle“ lese ich vom melbourne midsumma. sowas wie der mardi grass in sydney, die australische variante des csd. der midsumma läuft vom 21. januar bis zum 13. februar, ist also morgen schon vorbei. er scheint – wie der csd bei uns – recht ethabliert zu sein.

in den Bnews lese ich, dass der midsumma 2000 in melbourne einen umsatz von 28,4 millionen AU$ (17,4 mio euro) hatte. beim sydney mardi grass 1998 waren es sogar 99 millionen AU$ (ca. 59,4 mio euro) und er hatte damit den größten umsatz alles sport- und kulturevents in australien. queer sells.

bei midsumma gibt es einen neuen wettbewerb, die phreeq out parade. phreeq ist angelehnt an den hippie slogan freak-out und soll das spektrum der selbstinszenierung erweitern. dazu gibt es wettbewerbe in den kathegorien tattoos & piercing, body art, muscle, under/swim wear and fantasy. aber: „keep it clean, but keep it mean and queer.“ “

es dauert ein wenig, bis ich mich an den rythmus der metropole gewöhnt habe. heute war ich zuerst etwas unsicher, was ich denn in den nächsten tagen überhaupt machen will und bin etwas ziellos durch den central business district gelaufen. aber jetzt, hier in dem kleinen cafe zu sitzen und zu schreiben inmitten des urbanen lebens bin ich wieder sicherer, das ich in die stadt gehöre. natur ist nett für ein bis zwei wochen, aber hier, wo ständig die unterschiedlichsten menschen entlanglaufen, abends aus verschiedensten kneipen live musik lockt, sich nachts in den vorortzügen jugendliche skater mit sixpacks betrinken, hier fühle ich mich doch irgendwie richtig aufgehoben.

ich schlendere weiter durch die city, über den federal square – ein futuristischer gebäudekomplex gegenüber der flinders street station mit noblen bars, gallerien, dem australian center for the moving image  und einer webcam , die auf eine grosse bildwand ubertragen wird.

southgate, nach meinem national geographics reiseführer unbedingt zu besuchen erweist sich als ein weiteres einkaufszentrum. same as usual.

ein stückweiter wieder etliche stände zum chinesischen neujahresfest. und auf dem yarra eine drachenbootregatta. schließlich fahre ich noch die 58 etagen hoch in den rialto tower. der ausblick ist beindruckend, zumal mittlerweile die sonne wieder kräftig strahlt. jetzt sehe ich erst, wie nah melbourne am meer ist, wenn es auch nicht so richtig das offene meer ist. und im norden kann ich die berge der great dividing range sehen.

am abend fahre ich nach brunswick um mir im „Mechanics Institute Performing Arts Center“ das theaterstück „Nacked“ anzusehen. es wir im rahmen des midsumma melbourne gespielt und spielt in einer schwulen sauna. stories von erster liebe und erstem sex, lebensgeschichten, erlebnisse und sehnsüchte in der sauna und die auseinandersetzung mit bareback, tod und schuld. teilweise erzählt, teilweise gespielt. begleitet von einem redseligen stammgast der sauna. seine sprache ist so affektiert, wie sie in einer schwulen sauna meist nicht zu finden ist und so hat er auch eine verfremdende funktion die immer wieder deutlich macht, dass wir im theaters sind.

schliesslich lasse ich den abend im cafe mystique auf der brunswick street bei einem chardoney ausklingen. die kneipen auf der brunswick street gefallen mir wirklich gut und ich bin dan dankbar für den tip ins nunnery hostel nebenan zu gehen. so ist der weg nach hause nach dem abendlichen wein nicht weit <-:



thomas molck

Veröffentlicht12. Februar 2005 von xthomas in Kategorie "au melbourne

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