Februar 15

kunst auf leinwand und video

heute ist der kurze sommer schon wieder vorbei. der himmel ist bedeckt, ein wenig regen, der richige tag für ausstellungen. ich besuche in der national galerie of victoria im ian potter center am federal square die james gleeson ausstellung “Beyond the Screen ofSight” und im australian center for the moving image den memory grid. später treffe ich mich mit dann nochmal mit dan und wir fahren noch mal auf den rialto tower und gehen zum abschied kaffee trinken im central business district.

james gleeson ist ein australischer surrealist und die ausstellung ist sehr beeindruckend. seine bilder erinnern etwas an dali, aber sie sind organischer, ich habe immer den eindruck, die landschaften, der sturm und die nicht bezeichenbaren objekte leben. hier könnten die gestalter von science fiction aliens ihre inspiration bekommen haben.

sehr gut finde ich auch – was mir auch in der south australian art gallery schon aufgefallen war – das es immer begleittexte zu den werken gibt. aussagen der künstlerInnen und andere texte helfen in der auseinandersetzung, was bei ausstellungen moderner kunst bei uns oft fehlt.

hier gibt es unter den texte james gleesons zum beispiel einen, in dem er seine sichtweise des surrealismus deutlich macht. im gegensatz zu unseren versuchen mit immer ausgefeilteren technischen möglichlickeiten eine objektive sicht auf die dingen zu bekommen, geht er surrealismus für ihn davon aus, das es die gar nicht gibt sondern alles der interpretation zur konstruktion der wirklichkeit bedarf und das surrealismus eben eine solche interpretation ist.

ebenfalls im federal square gebäude-komplex ist das australien center for the moving image . hier gibt es den memory grid wo man in offenen kabinen diverse filme sehen kann. die auswahl erfolgt über einen touch screen und es gibt filme viele animationsfilme, vor allem auch von studentInnen, filme aus der produktion des centers, historische filme und filme unabhängiger gruppen.

filme aus der produktion des centers sind zum beispiel 2-minuten clips aus dem digital diaryprogram in dem jugendliche kurze wichtige momente ihres lebens beschreiben. in dieser art gibt es im center wohl verschiedene medienpädagogische angebote.

unter die historischen filme fallen zum beispiel auch neuere filme wie der dokumentarfilm “reLOCATED. Mr and Mrs Kemp” aus dem jahr 2002. mr und mrs kemp lebten 38 jahre lang im “kensigton public housing estate”. eine art öffentliche wohnanlagen für ansonsten wohnungslose wie ich sie auch in der brunswick street gesehen habe.

die filme unabhängiger gruppen sind sehr unterschiedlich. in “Cyberdelia” aus dem jahre 1991 geht es um “the early days of ‘cyber art’ in melbourne … video und computer art happening in australia during the pre-digital period.” hier erzählt der “cyber hippie” captain ROM vom weg von den psychedelischen 60ern zu den psychedelischen 90ern. oder die cyber dadaisten definieren eine neue computerbasierte ästhetik. andere experimentieren mit maschinen die den körper erweitern, einer läßt sich mit in die haut gestochenen haken an einem kran in die luft ziehen. interface your brain …

in “The Olympic Flame and the Peace Fire” aus dem jahre 2000 geht es um zwei reisen zu fuss durch den outback. von uluru (ayers rock) in der mitte des kontinents wurde das olympische feuer nach sydney getragen und gleichzeitig starteten aboriginals und andere aktivisten einen “walk for peace” mit einem in ihrem sinne heiligen feuer.

“Seaside Searching” aus dem jahre 2000 ist schließlich ein dokumentarfilm mit interviews mit einwohnern der küstengebiete melbournes, st kilda, port melbourne, south melbourne, albert park, elwood und balaclava. immigranten und aboriginals erzhählen von ihren lebenszusammenhängen, ihrer geschichte, poltischen meinungen und ihrem bezug zu ihrem stadtteil.

ich glaube, ich könnte noch stunden in diesem memory grid verbringen, aber leider schließt das center um 17 uhr. mittlerweile ist auch dan dazugekommen und wir besuchen nochmal gemeinsam den rialto tower . ich mache nochmal neue fotos, weil ich vielleicht bei dem film den ich samstag in der kamera hatte einige bilder belichtet habe, als ich die kamera zu früh öffnete. nur leider ist es heute eben nicht so sonnig wie auf dem obigen bild von sonntag.

schließlich gehe ich mit dan zum abschied noch auf einen kaffee in den central business district, da ich ja morgen nach sydney fliege. später, nachdem ich meinen rucksack im hostel “the nunnery” gepackt habe, gehe ich noch ein letztes mal auf die brunswick street und esse begleitet von griechischer livemusik mit akustischer gitarre und geige im pireaus blues.

insgesamt hat mir melbourne sehr gut gefallen und ich bin ganz dankbar, dass ich um dan zu besuchen diesen ‘schlenker’ gemacht habe – usprünglich wollte ich ja von adelaide direkt mit dem indian-pazific nach sydney fahren. erstmal war es natürlich sehr nett, dan wiederzusehen. aber melbourne an sich ist auch eine sehr lebendige metropole mit viel kultur, mit der tram erreichbaren stränden und vielen schön gestylten leuten, oft in schwarzen klamotten und gepierct, …

jetzt bin ich gespannt auf sydney. da ich dort ab morgen ja bei queeruption sein werde, weiss ich noch nicht genau, wie oft ich in den nächsten tagen internet haben werde und wie oft daher notizen von unterwegs hier auftauchen werden. wird sich zeigen …



thomas molck

Veröffentlicht15. Februar 2005 von xthomas in Kategorie "au melbourne

1 COMMENTS :

  1. By Daniel Koening (Beitrag Autor) on

    24.02.2005 01:29 GMT

    aloha thomas. leider jetzt erst. schön das du hier warst. zwar irgendwie sehr irreal, weil kurz da und wieder weg, aber sehr schön das.

    sehr interessant deine berichte aus syd. jetzt bleiben dir noch 2 tage glaube ich. komisches gefühl oder?

    grüsse mir die ganze jungs und mädels herzlichst und dank dir für den transport des mitbringsels.

    ich mache mich morgen auf aus melbourne raus zu kommen. keine lust und geld mehr 😉

    nur das beste und big hugs!

    dan

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