August 23

die letzen tage in tel aviv

am mittwoch starte ich doch noch mal eine kleine tour durch tel aviv. strand, stadtleben, etzel museum und ein videoabend mit einem israelischen schwulenfilm.

nachdem ich das auto im norden von tel aviv, da wo sich am strand die luxushotels häufen, abgegeben habe, laufe ich erstmal zum strand hinunter.

hier ist der yachthafen von tel aviv, allerdings völlig eingezäunt. aber von aussen sieht er nicht anders aus, als andere yachthäfen auf der welt. vor der küste segeln einige kleine jollen und surferInnen.

der strand ist hier unterhalb der großen hotels sehr belebt. wie in elat setzen viele sich hier bei der hitze mit stühlen ins meer um etwas abkühlung zu genießen.

ich laufe bis zum hostel an der ecke rehov hayarkon und rehov allenby und dann über die rehov allenby zum kikar magen david. von hier aus bin ich vor zwei wochen mit merit über den carmel markt gelaufen. heute wähle ich die entgegengesetzte richtung in die rehov shenkin, nach meinem reiseführer das „greenwich villiage“ tel avivs. es gibt hier auch nette kneipen, aber etliche marken-modeläden in denen weniger individuelle kunst zählt.

ich laufe zum schalom-tower wo es eine aussichtsplattform im 30. stock geben soll. aber sie wurde vor längerer zeit geschlossen und die aufzüge zum 30. stock sind „private“. icvh fahre in den 29. stock, aber die begrenzte aussicht aus den mattgrau beschichteten flur-fenstern ist nicht so berauschend. dafür gibt es im foyer eine schöne ausstellung mit historischen fotos von tel aviv in der ersten hälfte des jahrhunderts.

ich laufe weiter in den stadtteil florentin, ein unter anderem von alternativen und studentischen leben geprägter stadtteil, weil hier die mieten günstiger sind als im norden der stadt.

auf der straßen florentin gibt es nette cafes und in einer seitenstraße das einzige besetzte haus in israel. yonathan hatte mir vor zwei wochen erzählt, dass hier eine mikve, ein haus in dem religiöse jüdinnen vor ihrer heirat gehen um sich auf die heirat vorzubereiten, besetzt wurde. da es dort viele räume mit badewanne gab wurden die badewannen einfach zu betten umgebaut. da es das haus schon mehr als ein jahr gibt, kann es nicht legal geräumt werden.

von florentin ist es nicht weit zu meinem lieblingsstrand in tel aviv, zwischen dem delphinarium und jaffa, wo ich den rest des tages mit sonnen, schwimmen, lesen und schreiben verbringe.

der strand liegt hier nicht zu füssen von hotelklötzen wie im norden der stadt, hat am strand und im wasser einen wunderschönen blick auf die neue altstadt von jaffa, es gibt kostenlose stühle und sonnenschirme und keine nervigen bademeister die einen zurückscheuchen, wenn man zu weit hinaus schwimmt.

im wasser sind hier viele steine. yonathan meinte vor zwei wochen, sie stammen vielleicht von den hier ende der 40er jahre zerstörten arabischen häusern. bizarrerweise ist das einzige verbliebene haus jetzt ein museum der etzel kampfgruppe.

zu diesem museum war ich schon heute morgen gefahren. es dient tatsächlich der verherrlichung der „befreiung“ jaffas durch etzel, eine der jüdischen kampfgruppen der 40er jahre neben der hagana und anderen.

die ideologische propaganda in dem museum ist unglaublich. da haben ende der 40er jahre juden die araber mehr oder weniger aus jaffa vertrieben – zu der zeit immerhin eine der größten arabischen städte in palestina – und nennen das befreiung. und auf den ruinen eines der letzten häuser im areal nördlich der altstadt am meer bauen sie ihr museum.

in museen werden in der ausstellung und in einem film die kämpfe gegen die araber dargestellt. immer wieder wie selbstverständlich davon ausgehend, dass dieses land den juden gehört weil gott in der bibel den juden ein eigenes land „eretz israel“ bis zum jordan versprochen habe (genesis 13, 14-17 und 15, 18-21).

ich habe nie verstanden, mit welchem recht israel damals gegen den willen der hier lebenden araber gegründet wurde. aber selbst die damals von der vollversammlung der vereinten nationen bestimmten grenzen eines staates israel und eines staates palestina werden ja bis heute nicht akzeptiert.

und israel hat heute mit der separation wall eine grenze weit hinter der von den vereinten nationen bestimmten grenze gezogen und selbst hinter dieser mauer hat israel die absolute kontrolle über die dort lebenden palestinenserInnen.

ohne frage ist etliche gewaltakte der arabischen organisationen die gegen israel kämpfen ebenso verabscheuenswürdig wie der krieg, den israel gegen seine nachbarn führt. aber eine lösung dieses konfliktes kann – gerade auch im interesse israels und des friedens nur im ende der apartheits-politik liegen. nur wenn palestina wirklich ein eigener unabhängiger und für die palestinenserInnen lebenswerter staat wird, gibt es eine chance für ein ende der gewalt.

ich bin sehr dankbar, hier auch viele israelis kennen gelernt zu haben, die so denken und gegen die apartheits-politik und den krieg auf die straße gehen.

ein kleiner teil davon zu sein hat es für mich letztendlich möglich gemacht, in diesem land „urlaub“ zu machen ohne zum kollaborateur einer kriegspolitik zu werden.

ich bleibe noch bis zum sonnenuntergang am strand.

am abend esse ich in einem cafe auf der florentin. da entdeckt mich ein queeruption-teilnehmer aus australien von einem balkon. er und sein israelischer gastgeber landen mich noch zu einem videoabend ein und so geniesse ich noch „amazing grace“, ein film über das leben eines jungen schwulen in israel und seiner familie und nachbarn. ein etwas trashiger und sehr anregender b-movie aus israel.

die verbleibende zeit vor meinem rückflug werde ich dann noch an meinem lieblingsstrand verbringen und so wird dies vermutlich mein letzter israel-eintrag sein.



thomas molck

Veröffentlicht23. August 2006 von xthomas in Kategorie "il tel aviv

1 COMMENTS :

  1. By dan (Beitrag Autor) on

    danke für die berichte aus israel. hoffe der „Urlaub“ ist nicht zu knapp gekommen. auf jedenfall sehr spannend zu lesen und vorallem sehr interessant, da israel als land und reiseziel wohl doch sehr eigen ist, aufgrund der politischen situation. cheers!

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