März 9

cape town walk & sail

am wochenende auf den signal hill und in die stadtteile unterhalb, bo kaap und de waterkant. der ursprünglich malaische stadtteil und der stadtteil der „schwulenszene“. und am sonntag unter segeln aufs meer 🙂

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alle bilder von kapstadt bei flickr >>

am samstag merke ich erstmal, das meine zeit in südafrika sich dem ende zuneigt. eigentlich würde ich heute gerne robben island besuchen, die gefängniss-insel auf der viele politische gefangene wie nelson mandela eingesperrt waren, aber einer meiner zimmerbewohner meint, die karten müsse man mehrere tage im voraus bestellen. nach einem anruf beim robben island museeum erfahre ich, dass bis mittwoch alles ausgebucht ist. wird also nix mehr. also plane ich neu, am wochenende noch ein wenig kapstadt zu erkunden und am montag schon ein auto zu leihen und zum cap agulhas zu fahren. auch wenn es da vermutlich nicht wirklich viel zu sehen gibt so reizt es mich doch, einmal den südlichsten punkt afrikas gesehen zu haben.

ich mache mich also auf richtung stadt, erstmal ohne genau zu wissen wohin, so grob richtung waterfront. laufe wieder durch den park entlang der goverment avenue in die stadt und am ende dann die wale street links hoch.

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das südafrikanische parlament, das in einer hälfte des jahres in cape town tagt

eigentlich suche ich ja nur einen kürzeren weg zur waterfront, lande dann aber in bo kaap, dem malaischen viertel. im bo kaap museeum kann man ein wenig von der geschichte dieses stadtteils erfahren, aber eindrucksvoller ist hier ein raum zur geschichte, in der fast schon im sinne von berthold brecht argumentiert wird:

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„Who build Cape Town?

The City of Cape Town was build over almost three centuries of colonial rule. There are many monuments and buildings that celebrate this colonial heritage. But there is almost nothing that shows the contribution made by many thousands for slaves, convicts and free workers who build the city.

This exhibition is dedicated to the people who build the City of Cape Town, but where not allowed to enjoy all the fruits of their labour.“

und im ersten stock, der als „community center“ ausgeschildert ist, gibt es eine fotoausstellung mit alltagsbildern: „the face of bo kaap“

ansonsten ist bo kaap ein sehr schönes viertel mit vielen bunten häusern und ein paar moscheen, weshalb wohl auch ein reisebus hier hält und die touristInnen einen block durch das viertel laufen lässt, bevor sie wieder mit dem bus weiterfahren.

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in bo kaap bin ich im grunde schon knapp unter dem signal hill, zumindest sieht es so aus, als wäre es nur ein kurzes stück den berg hoch, als ändere ich meine richtung um noch einen kleinen gipfel zu besteigen.

auf dem weg nach oben komme ich erstmal zur lions head battery, einer alten kanonen-batterie vor der aber auch heute noch mittags um 12 uhr ein kannonenschuss abgefeuert wird weshalb am eingang entsprechende warnungen angebracht sind, dass man seine ohren schützen solle.

von hier aus hat man schon einen sehr schönen blick auf den hafen und auf green point, den stadtteil zwischen hafen und stränden, wo in der mitte gerade ein megastadion für die fussball-weltmeisterschaft gebaut wird.

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blick auf green point von der lions head battery

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blick auf hafen von der lions head battery

von der lions head battery ist es dann doch noch ein ganz gutes stück bergauf auf einem sandweg in der mittagssonne. aber im vergleich zum aufstieg auf den tafelberg gestern eher ein spaziergang. oben auf dem signal hill stehen noch einige trucks und begleitfahrzeuge, da hier heute die letzte etappe eines fünftägige profi-radrennens gestartet ist.

von hier aus kann man jetzt auf der einen seite tafelberg, die stadt und den hafen sehen und auf der anderen seite sea point.

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blick auf sea point vom signal hill

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blick auf tafelberg, lions head und stadt von der strasse zum signal hill

auf dem rückweg laufe ich über eine andere strasse zurück nach bo kaap und laufe durch ein gebiet mit wohnhäusern, die ein wenig wie sozialer wohnungsbau aussehen. als ich aus einem kleinen waldstück in dieses gebiet komme meint eine schwarze frau, die hier gerade ihre wäsche aufhängt, ich solle in diesem gebiet besser nicht alleine herumlaufen, das sei gefährlich.

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vielleich bin ich ja wirklich etwas leichtsinnig, ich mache hier recht viele dinge, von denen eher abgeraten wird. andererseits habe ich meisten schon das gefühl, dass das alles gut geht und vieles würde ich einfach gar nicht sehen, wenn ich mich an all die warnungen halten würde. troztdem bleibt in momenten wie diesen ein etwas seltsames gefühl.

von bo kaap ist es nur ein kleines stück zur waterkant street. in diesem stadtteil soll es ein paar schwulenkneipen geben. ich stosse bald auf das manhattan, wo ich einen relativ wenig geniessbaren milchshake trinke und gegenüber unter dem salsa gibt es jeden samstag travestie shows.

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schließlich komme ich dann am frühen abend doch nochmal zur waterfront, wo ich mich noch nach schiffstouren erkundigen will. aber normale schiffstouren aller art gibt es hier so reichlich, dass man das nicht so genau planen und auch nicht im voraus buchen muss. dafür erfahre ich am nelson mandela gateway, dass es doch auch für montag noch karten für robben island gibt und greife kurzentschlossen zu.

zurück in die stadt fahre ich zum ersten mal mit einem lokalen „golden arrow“ bus. der fahrer sitzt hier hinter einem gitter, durch das es die 3,10 rand (31 cent) für die fahrt kassiert. interessant ist auch, dass ich der einzige weisse im bus bin, obwohl an der waterfront eigentlich die allermeisten weissen besucherInnen weisse sind. aber die kommen vermutlich mit eigenem auto oder mit organisierten bussen.

am abend gehe ich dann in der long street nochmal in „neighbourhood“ um auf dem balkon zu schreiben, nochmal die leckeren spicy chicken wings zu essen und später noch für ein paar live-songs in den dubliners pup zu gehen.

am sonntag laufe ich nach einem längeren und ausgiebigen frühstück in der ashanti lodge über die loop street richtung hafen. auf der parallelstraße zur long street ist wesentlich weniger los, es gibt weniger ablenkung durch kneipen oder andere läden und weniger leute die einen ansprechen.

auf der strand street die von der innenstadt nach green point führt, begegnen mir dann einige teilnehmer der cape argus cycle tour, die heute hier stattfindet. aber eher beiläufig, keine abgesperrten strassen oder so.

an der waterfront treffe ich dann zufällig noch mal kurz chris und sam aus wales und mache mich dann mit der esperance, einem schönen 54 fuss zweimaster auf zum segeln in der table bay. wir sind wieder mal nur fünf passagiere und drei junge männer besatzung.

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wir verlassen den hafen bei strahlendem sonnenschein und kurz nach der ausfahrt werden vier segel gesetzt und wir gleiten fast nach norden. dabei sehen wir in einiger entfernung ein großes containerschiff vor anker, delphine, pinguine und eine seeschlange.

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sonst sieht mann auf dieser tour auch robben island, aber das liegt heute im dunst und während wir zurück richtung hafen segeln kommt recht dichter nebel auf und in regelmäßigen abständen hören und geben wir nebelsignale. das ist schon ein wenig gespenstisch, so durch weisses nichts zu segeln, aber der skipper hat das im griff und auch alle nötigen technischen hilfsmittel.

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bei der rückkehr in den hafen passieren wir ein schulschiff, das gerade für sieben tage mit studierende aus verschiedenen ländern an der landungsbrücke 2 festgemacht hat. die studierenden sind damit ein halbes jahr rund um die welt unterwegs, sie sind in hong kong gestartet und über china, thailand, indien und die seychellen hierher gefahren und werden weiter über die kapverden zum mittelmeer fahren und später auch nach amsterdam. die studierenden lernen und leben an bord und bei treffen mit den studierenden an den orten wo sie festmachen.

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wieder im hafen laufe ich nochmal heraus auf die mole, die jetzt auch schon in dichtem nebel liegt. auf der nordseite des hafens liegt der hubschrauber-landeplatz, danach führt die mole weiter quasi ins nichts.

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ich überlege eine zeitlang, ich bis zum grünen einfahrtsfeuer am ende der mole laufe. am anfang steht ein schild, „Enter at you own risk“, aber es ist weniger die gefahr des nebels oder der geländerlosen mole, die mich zurückhält. vielmehr mache ich mir wieder gedanken, das das ja ein ziemlich menschenverlassener ort ist und nach den allgemeinen touristen regeln sollte man hier 1. nicht alleine, 2. nicht mit wertgegenständen und 3. nicht an verlassenen orten herumlaufen.

während ich an der nordsee in so einer situation direkt weiter bis zum ende gelaufen wäre, zögere ich hier und überlege länger als der weg am ende dauert. was mich später etwas beruhigt, ist dass ein junges und ungefährlich wirkendes paar kurz hinter mir denselben weg nimmt. ausser dem paar und mir ist am ende aber niemand auf der mole.

und auch hier diese gespenstische stimmung, im nichts herumzulaufen, wobei auch von grünen hafenfeuer immer wiede ein nebelhorn die stille unterbricht.

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ich verbringe noch eine zeitlang an der waterfront, die insgesamt eine seltsame mischung von nobel-hotel, shopping-center, aktiven hafenanlagen, strassenmusikerInnen und tanzgruppen, cafes und yachthafen ist. und es gibt auch schon immer wieder interessantes zu entdecken. vor drei wochen, als ich das erste mal hier war, bin ich ja schon auf die „peace and democracy“ skulptur am nobel square gestossen, der so heisst weil dort neben der „peace and democracy“ skulptur vier skulpturen der südafrikanischen nobelpreisträger albert luthuli (1960), desmond tutu (1984), fw de klerk und nelson mandela (1993) stehen.

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jetzt schaue ich mir die erste landungsbrücke an, wo früher die schiffe nmit gefangenen und besucherInnen nach robben island abgelegt haben und wo jetzt die warteräume und -zellen besichtigt werden können. es gibt einen video und einen teil der ausstellung, der speziell den frauen der gefangenen gewidmet ist. es gab ein haus im district six in cape town, das „cowley house“, wo sie vor und nach den besuchen bleiben konnten und wo sich so frauen aus unterschiedlichsten politischen regionen trafen und netzwerke der solidarität knüpften.

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danach gehe ich noch kurz bevor es schliesst ins schiffahrts-museeum, in dem vor allem schiffs- und hafenmodelle stehen.

aber es gibt auch die geschichte der ss mondi, die im ersten weltkrieg unter anderem dazu eingesetzt wurde einheiten mit schwarze südafrikanern nach europa zu bringen, die am 20.2.1917 bei der isle of wight sank.

interessant ist wieder die erläuterung, warum es überhaut schwarze südafrikanische soldaten im ersten weltkrieg gab. als teil des britischen herrschaftsgebietes war südafrika am ersten weltkrieg beteiligt und hat zunächst das damals deutsche süd-west afrika angegriffen. der south african native national congress, der spätere anc bot an, sich mit 5000 soldaten am krieg zu beteiligen, obwohl es zwischen 1902 und 1914 herbe politische rückschläge für die schwarzen gab. der größte war der „Natives Land Act“ 1914, der das landeigentum der schwarzen auf 7.3% begrenzt hat.

trotzdem boten sie ihre beteiligung an, in der hoffnung das ihnen das später angerechnet und es mehr zugeständnisse für schwarze geben würde. aber die südafrikanische regierung lehnte ab, offizielle weil es hier um eine auseinandersetzung unter weissen gehe. aber es gab unter den weissen auch viele, die meinten es wäre zu gefährlich, schwarze zu bewaffnen und militärisch auszubilden. obwohl schon im zweiten burenkrieg 1899-1902 30.000 schwarze auf der seite der briten gekämpft hatten.

1916 wurden dann doch auch schwarze mobilisiert, weil der krieg immer mehr menschen forderte. sie wurden aber streng von den weissen einheiten isoliert, damit sich nicht aufgrund ihrer erfahrungen mit den weissen ihre soziale situation in südafrika infrage stellen.

später trinke ich kurz vor dem sonnenuntergang noch einen kaffe am clock tower. in der wochenzeitschrift „the CapeTowner“ lese ich im aufmacher, von drogendealern, die im rahmen der aktuellen „zero tolerance“ kampagne vom 7.2. bis zum 31.3. festgenommen wurden, aber auch in einer kleinen meldung auf seite 3 davon, das am 3.3. ein mann in der jarvis street bei einem bewaffneten raubüberfall getötet wurde. das ist wieder etwas beunruhigend, denn die jarvis street ist eine parallelstraße der waterkant street, wo ich gestern im manhattan kaffee getrunken habe.

eigentlich wollte ich heute nochmal zu fuss durch das waterkant viertel zurücklaufen, entschließe mich jetzt aber doch, nochmal den golden arrow bus zu nehmen um.



thomas molck

Veröffentlicht9. März 2008 von xthomas in Kategorie "za cape town

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