März 11

south africa then and now

robben island, eine kleine insel ein paar meilen nordwestlich von cape town war bis 1991 das hochsicherheitsgefängnis für nicht-weisse politische gefangene. der district six war bis in die 60er jahre ein multikulturelles zentrum von cape town, aus dem die nicht-weissen vertrieben und ihre häuser abgerissen wurden, der heute als beispiel der menschenverachtenden apartheits-politik gilt. aber heute fördert die regierung mbeki ganz ähnliche vertreibungen von armen menschen aus joe slovo um die N2 richtung garden route auszubauen und die demonstrieren dagegen anläßlich eines gerichtstermins im cape high court.

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am montag mache ich mich etwas früher auf den weg durch den park entlang der goverment road richtung zentrum. am ende laufe ich links richtung long street, wo ich noch einen gothic-laden besuchen will. vor dem gebäude des cape high court stehen zwei sitzbänke aus früherer zeit, mit inschriften „WITHES ONLY“ und „NON-WITHES ONLY“. eine tafel informiert, dass zur zeit der apartheit hier regelmäßig verfahren zur zur klassifizierung stattfanden, weil alle menschen nach bestimmten kritieren einer von neun rasse zugewiesen wurde, von „weiss“ (mit den meisten rechten) bis zu „bantu“ (mit den wenigsten rechten). dabei konnten diese klassifizierungen auch geändert werden und auch gab es verschiedene klassifizierungen in derselben familie. www.sundaytimes.co.za/heritage

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ein stück weiter sehe ich eine kleine demonstration der ich bis zum haupteingang des cape high court folge. es geht um die einwohnerInnen von joe slovo, einem wohngebiet in dem N2, die hauptverbindung an der küste entlang richtung osten, auf dem stück zwischen flughafen und innenstadt ausgebaut werden soll. das ist ein prestigeobjekt der mbeki-regierung und sie versucht hier schon lange die einwohnerInnen „vorübergehend“ umzusiedeln.

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in einer ersten phase wurden nach einem feuer in joe slovo bereits ca. 4.500 familien nach delft, einem vorort weit ausserhalb der stadt umgesiedelt. jetzt in der phase 2 sollen die verbliebenen, weiteren 6.000 familien dorthin. angeblich vorübergehend, aber pläne für neue wohnungen nach dem N2 ausbau in joe solvo gibt es nur für 1.000 familien.

und die situation in delft ist schwieriger, weil es da weniger arbeit gibt als näher an der stadt, weil die häuser dort in einem miserablen zustand sind und mieten oder kaufpreise haben, die viele betroffenen sich gar nicht leisten können. die wohnungen kosten 200 bis 300,000 rand (20b bis 30.000 euro).

martin legassick schrieb über die sogenannten TRA wohnungen („temporary relocation“) am 16.9.2007 im weekend argus: „Those who have visited Delft to see the TRA housing will see, that it looks like a concentration camp, with only public communal toilets, few taps, and not much electricity.The toilets are a health and a security hazard.“

die menschen wollen zurück nach joe slovo und die, dich noch dort leben, wollen dort bleiben. sie haben vorschläge ausgearbeitet, wie die N2 ausgebaut werden kann, ohne sie „umzusiedeln“, aber die wohnungs-ministerin der mbeki regierung, lindiwe sisulu verweigerte bisher verhandlungen mit den betroffenen. nun wird der streit vor dem cape high court ausgetragen.

bei verschiedenen protestaktionen wie bei einer besetzung der N2 im september 2007 oder bei der räumung besetzter häuser im februar gab es auch brutale auseinandersetzungen mit der polizei. „What i saw in the dark wasa peacefull protest interrupted by a police riot. Contrary to some news reports no guns where fired at the police. Nor were stones thrown, until the police had wounded some 12 people with rubber bullets. Riotous police behaviour was witnessed by reporters again later in the morning, as you report, when police opened fire on a crowd including old people, children and woman with a mere 20 second warning, and wounded many more.“ (brief von martin legassick in der cape times am 12.9.2007)

das erinnert mich an die aussagen des fotografen eric miller in der ausstellung „then and now“, wo er zur apartheit-zeit schreibt, wie sehr sich die offiziellen berichte von auseinandersetzungen mit der polizei vom von ihm erlebten unterschieden. then and now.

der haupteingang des gerichtes ist mit rotem flatterband abgesperrt, aber hier ist es wie überall auf der welt, mit sicherem auftreten und professionell wirkender kamera fragt niemand. nur als ich schon wieder gehen will und die kamera im rucksack verstaut habe fragt mich ein uniformierter, wer ich sei und dass ich nicht einfach ohne legitimation hinter dem band sein dürfte.

ich gehe dann noch in den gothic-laden auf der long street, der ein reichliches angebot cooler schwarzer klamotten hat die zum größten teil auch hier in der region produziert werden, meint der besitzer. danach noch kurz in die deutsche buchandlung auf der burg street, wo ich mir nelson mandelas „Der lange Weg zur Freiheit“ kaufe.

weiter geht es zum district six museum, das am rande des stadteils liegt, der so heisst weil es ursprünglich der sechste stadtteil cape towns war. er wurde 1867 so genannt und dort bildete sich eine vielfältige community aus freigelassenen sklavInnen, händlerInnen, handwerkerInnen, arbeiterInnen und immigrantInnen.

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1966 wurde das gebiet aufgrund des „Group Areas Act“ von 1950 zu einem gebiet nur für weisse erklärt und in den jahren bis 1982 wurden ca. 60.000 menschen aus dem gebiet vertrieben und die häuser abgerissen. damals hiess das „forced removal“. ein ausdruck, den wohnungs-ministerin sisulu für die verteibung der menschen aus joe slovo heute nicht mag. them and now.

heute sind viele der ehemaligen bewohner in den district six zurückgekehrt. das district six museum ist als unabhängiges community projekt entstanden und versteht sich als „living museum“ in dem die individuellen erinnerungen der einwohnerInnen raum bekommen. täglich treffen sich dort auch einwohnerInnen mit südafrikanischen und internationalen besucherInnen.

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karte eines früheren wohnblocks auf dem sich die ehemaligen bewohnerInnen eintragen können

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heute erinnert nicht mehr viel an den ehemaligen district six, allerdings gibt es immer noch große freiflächen an der stelle von abgerissenen häusern, heute meist parkplätze. then and now.

von hier aus laufe ich wieder über den bahnhofskomplex, vorbei am busbahnhof und an der sammelstelle für minibusse über dem bahnhof selbst. die gibt es hier in jeder stadt, wo die minibusse getrennt nach ihren zielorten stehen. neben den lokalen bussen und vorortzügen ist das hier das dritte hauptverkehrsmittel des öffentlichen nahverkehrs, wobei auch hier in den meisten minibusse keine weissen sitzen, nur am ende wo die minibusse nach camps bay und sea point stehen.

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bei meinen ersten besuchen war ich in dieser gegend noch sehr vorsichtig und auch ein wenig unsicher, jetzt laufe ich hier schon recht selbstsicher durch und bin nur unsicher, als ich die kamera für das foto aus dem rucksack hole.

mittags bin ich dann an der waterfront und mit einer stunde verspätung legt dann auch mein schiff nach robben island ab.

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auf der insel beginnt der besuch des robben island museum mit einer busfahrt über die insel, auf der uns ein netter junger südafrikanischer student die einrichtungen erklärt, wie die gebäude der ehemaligen lepra station, häuser aus der zeit des 2. weltkrieges, als robben island britischer militärstützpunkt war, häuser in denen auf die insel verbannte leben mussten, ein kleines dorf der nicht-gefangenen bewohner der insel oder der leuchtturm. an einer stelle mit gutem blick auf cape town machen wir kurz pause, in der er uns von fluchtversuchen erzählt, die allerdings niemals erfolgreich waren.

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nach dem besuch des steinbruchs, in dem die gefangenen mit einfachsten werkzeugen und ohne schutz arbeiten mussten – viele wurden später krank, wie nelson mandela der an den augen operiert werden musste – kommen wir zu hochsicherheitsgefängniss in dem bis 1991 schwarze politische und andere gefangene saßen. es gab hier keine weissen gefangenen und keine nicht weissen wärter. apartheit auch im gefängniss.

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durch das gefängiss führt uns luvwo sparks, ein ehemaliger politischer gefangener, der hier 7 jahre eingesperrt war, weil er für den militärischen arm des anc geworben hat. in seiner ehemaligen zelle in der section D erzählt er, dass in diesem raum 80 menschen untergebracht waren mit nur drei duschen und wenigen waschbecken und klos. es gab zu seiner zeit auch nur kaltes wasser.

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sparks erzählt, nach seiner ankunft sei er nicht mehr sparks, sondern gefangener 5683 gewesen. er berichtet von rassistischen unterscheidungen im gefängnis, wo „farbige“ im gegensatz zu „schwarzen“ mehr essen und jacken, lange hosen, socken und schuhe bekamen.

wir gehen dann in die sektion B in einen innenhof, in dem gefangene auch zwangsarbeit leisten mussten. hier wurden politische und andere gefangene gemischt, mit dem ziel das die politischen gefangenen dadurch von ihren politischen aktivitäten abrücken. aber das gegenteil passierte, die politischen gefangenen agitierten die anderen, die auch begannen gegen die apartheit aktiv zu werden.

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auch begannen die gefangenen zwischen den sektionen zu kommunizieren, in dem sie tennisbälle mit infos über die mauern spielten oder geistlichen die sie besuchten nachrichten mitgaben.

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in der sektion B sehen wir auch nelson mandelas zelle. hier gab es keine klos sondern nur eimer, die die gefangenen einmal am tag in einer anderen sektion leeren mussten und dann von dort mit den eimern und ihrem essen zurück gingen.

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am ende erzählt uns luvwo sparks, dass die ehemaligen gefangenen robben island zu einem museeum gemacht haben, das sie aber weniger als dokumentation des leidens sehen wollen als als „spirit of life“, der von hier in die zukunft wirken soll. auch mit ihren ehemaligen wärtern hätten sie sich heute angefreundet. in diesem sinne habe nelson mandela auch die pflanzen in dem innenhof gepflanzt, den wir gesehen haben.

auf der rückfahrt nach cape town sind wolken aufgezogen und wird kühler. trotzdem laufe ich zurück zur long street, da dies wohl mein letzter walk durch die stadt sein wird und setze mich ins long street cafe um zu essen und zu schreiben. das long street cafe mit seinem sesseln die quasi im schaufenster stehen und es ermöglichen das treiben auf der straße zu verfolgen und das neighbourhood wo man das ebenso draussen auf dem balkon im ersten stock kann sind schon ein wenige meine stammkneipen geworden.

morgen habe ich dann nochmal für zwei tage ein auto um zum cape agulhas und zum cape of good hope zu fahren, bevor ich donnerstag zurückfliege.

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als ich dann am späteren abend zurück zur ashanti lodge laufe, wie es es ja nun schon einige male ohne probleme getan habe, habe ich zum ersten mal das gefühl, dass zwei seltsame typen mir folgen. ich gehe in eine tankstelle und sie bleiben stehen bis ich wieder rauskomme, ich wechsele die strassenseite und sie kommen hinterher. nachdem ich in einer zweiten tankstelle auf der anderen seite war scheinen sie weg zu sein und ich laufe zur ashanti lodge, aber auf der hof street sind wieder zwei leute hinter mir und als in die mit einem zahlenschloss gesicherte lodge gehe stehen die beiden plötzlich hinter mir und fragen mich seltsame dinge. ich gehe schnell rein.

und etwas später kommt ein anderer gast nach hause und berichtet davon, in einem minibus ausgeraubt worden zu sein. vielleicht ist es doch ganz gut, bald wieder nach hause zu fahren.



thomas molck

Veröffentlicht11. März 2008 von xthomas in Kategorie "za cape town

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