August 3

nizza

fünf tage nizza. schöne grossstadt am meer. langer strand direkt am zentrum der stadt mit einer promenade auf der man super radfahren kann, ein kleiner fels – der colline du château – am ende auf den man mit dem aufzug zu den nietsche terassen fahren und die ganze stadt überblicken kann und dahinter ein hafen mit segelschiffen und fähren. und auch zur altstadt muss man vom strand nur die strasse überqueren und findet sich wieder in einer anderen welt mit kleinen gassen und treppen, bars, restaurants und läden wieder.

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alle bilder vom mittelmeer im sommer 2008 bei flickr >>

schon bei der ankunft am bahnhof nice ville am mittwoch spüre ich, dass ich wieder in der grossstadt bin. auch weil automatisch meine wachsamkeit steigt, wenn ich mich mit fahrrad und allem was ich bei mir habe um den bahnhof bewege.

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ich fahre erstmal über die avenue jean médeein hinunter zur promenade des anglais, die sich über vier kilomenter fast über die ganze stadt vom hafen im nordosten bis zum flughafen direkt am meer im südwesten hinzieht.

die gesamte promenade hat auch einen fahrradweg auf dem allerdings die geschwindigkeit auf 20 kmh begrenzt ist. aber ob auf dem fahrradweg oder nicht, auf der promenade kann man super radfahren, immer den strand auf der eine und die stadt auf der anderen seite. ok, eine leicht befahrene strasse noch dazwischen 🙂

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da die auberge de jeunesse mont alban erst um 17 uhr wieder öffnet fahre ich die promenade einmal bis zum flughafen und zurück und mache mich dann auch den weg zum mont alban. das kreuz für die herberge auf meinem stadtplan ist ganz nah am alten hafen, der weg ist auch eigentlich nicht weit, nur dass die herberge etwa 160m höher liegt )-:

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dafür gibt es in der nähe einen supermarkt petit casino und so entschliesse ich mich, mal wieder selber zu kochen und bleibe den abend da. ein wenig erholung tut mir ohnehin ganz gut, denke ich.

am donnerstag entscheide ich mich auf dem mont alban spontan nicht richtung nizza sondern auf der anderen seite nach villefrance hinunterzufahren. ein weiterer schöner kleiner küstenort mit hafen und festung.

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auf der festung gibt es in einer ecke „rosiers de la résistance et de la déportation“ und eine gedenktafel für jean moulin und einge gallerien. die meisten haben gerade über mittag geschlossen, aber eine interessante ist draussen und daher sogar mit dem fahrrad befahrbar.

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es handelt sich um zeichnungen von gianmaria olgiati zu themen wie battle of sexes, torture, genetic intervention, outsourceing, chemical spills, global warming, crucification, nuclear proliferation, … die zeichnungen haben weniger plakative aussagen sondern eröffnen einen assoziativem raum zum nachdenken.

von villefrance fahre ich nun auf der küstenstrasse um die beiden berge im nordosten nizzas, den mont boron und den mont alban herum und komme wieder zum hafen, wo gerade eine fähre aus corsica anlegt die so gross ist, dass sie kaum in das hafenbecken passt.

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auch östlich des hafens gibt es einen kleinen felsenstrand beim club nautique mit einem sprungturm, von dem einige jungen ins meer springen. auf der obersten ebene wird aber – ebenso wie auf sprungtürmen in deutschen freibädern – weniger gesprungen sonder mehr herumgehangen.

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im westen trennt der colline du château den hafen vom rest der stadt. und unterhalb dieses hügel liegen vor allem segel- und motoryachten im hafen, zum größten teil aber lange nicht so gross und abgehoben wie in cannes oder st. tropez.

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in den fels des colline du château ist auf der hafenseite ein monumentaltes kriegerdenkmal geschlagen. am beginn der promenade auf der anderen seite gibt es einen aufzug, der mich schnell auf die 60m hohe ebene des schlosshügels bringt. von der festung aus dem mittelalter ist seit dem 17. jahrhundert nicht mehr viel übrig, heute ist die ebene ein großer garten mit der friedrich nietsche terasse in der mitte. nietsche soll hier, wo man einen herausragenden blick auf die gassen und dächer der altstadt, die promenade des anglais, das meer und die berge im westen hat, gerne spazieren gegangen sein.

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mir gefällt die ruhige und entspannte atmosphere wo menschen im schatten der bäume bücher oder zeitung lesen, kinder spielen und auf einer wiese ein zwei schöne typen gitarre spielen und singen.

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wieder unten erkunde ich die altstadt mit unzähligen bars, pizzarien, obst- und eisläden, modegeschäfte und vielem mehr. kleine gassen in denen oft auch tische und stühle der restaurants stehen lassen oft nur wenig platz und überall gibt es abzweigungen, die wieder in eine andere richtung führen.

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am ende komme ich am gare routière an der promenade du paillon wieder aus der altstadt heraus. der paillon ist ein fluss aus den bergen, der nördlich der innenstadt unter der erde verschwindet und ab dort treten gärten und einige grosse gebäude wie die ausstellungshallen, das musée d´art moderne et d´art contemporain und das nationaltheater nizza an seine stelle.

nicht weit ist der place garibaldi, von wo auch ich wieder zum hafen komme. und nicht weit vom hafen beginnt die corniche andré de joly die sich in serpentinen über ca. drei kilometer 150 m in die höhe zieht auf den mont alban.

am freitag fahre ich den direkten weg wieder in die stadt zum hafen und besuche nochmal das colline du château, zum einen weil mir die atmosphere dort gut gefallen hat, aber auch um nochmal bilder bei einem anderen sonnenstand zu machen.

danach besuche ich erst ein internetcafé in der altstadt, wo aufgrund der restriktiven einstellungen des internet explorers allerdings schon der aufruf von zooomr.com scheitert. ist vielleicht auch ganz gut, so lerne ich auf der suche nach einem internetcafé ein wenig mehr von der stadt kennen. ich fahre nach norden ins innere der stadt, überquere die urbane sud, eine stadtautobahn auf einer hohen brücke unter der die züge von von marseille und in richtung italien fahren und fahre weiter ins stadtgebiet, das sich hier nicht mehr wesentlich von anderen europäischen städten unterscheidet.

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am ende finde ich auf dem rückweg in der nähe des bahnhofes in einem etwas heruntergekommenen viertel, in dem auch die meisten budget hostels liegen, ein internetcafé in dem alles funktioniert und auch noch rasend schnell. so schaffe ich es mit dem hochladen meiner bilder und den einträgen im weblog wieder einigermassen auf den aktuellen stand zukommen.

danach fahre ich wieder hinunter zum meer, wo am quai rauba capeu unterhalb des colline du château zwei ältere männer zum sonnenuntergang gitarre und mundharmonika spielen. ich setzte mich dazu und da ich ja nichts von ihren texten verstehe, stelle ich mir vor das es lieder des freiheitskampfes und der résistance sind.

am samstag fahre ich erstmal ein wenig durch die innenstadt nördlich des hafens, ausgehend vom place max barel, wo die abfahrt von der corniche andré de joly täglich morgens endet und am abend die auffahrt beginnt.

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am congresszentrum acropolis stosse ich wieder auf den unsichtbaren fluss paillon. südlich des congresszentrum ist das musée d´art moderne et d´art contemporain und die bibliothek, mit einer grossen skulptur eines quadratischen kopfes auf dem aussengelände.

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etwas weiter in der stadt, hinter dem ausstellungszentrum tritt der paillon an die oberfläche. zur zeit aber nur ein trockenes und bewachsenes flussbett.

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ich fahre ein stück an dem flussbett entlang bis zur pont v. auriol um von hier aus über eine kleine steile strasse in serpetinen und treppen auf den hügel des stadtteils cimiez zu gelangen.

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cimiez ist der stadtteil der pompösen villen und paläste. unter anderen steht hier die régina, das 1897 erbaute winterpalais für queen victoria. hier lebte und malte auch matisse von 1938 bis 43 und von 1949 bis zu seinem tod 1954. heute beherbergt das palais teure appartements für reiche.

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für matisse gibt es hier in cimiez auch ein eigenes museeum im zentrum der historischen römischen stadt cemenelum. dazu gibt es ebenfalls ein museeum und ein ausgrabungsgelände römischer thermen aus dem 2. und 3. jahrhundert unserer zeitrechnung. und in allen museen nizzas ist heute einer von vier tagen im sommer, an denen der eintritt frei ist 🙂

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nach dem besuch der thermen gehe ich ins musée matisse. auch wenn matisse nicht unbedingt mein lieblingskünstler ist, so bietet das museeum doch einen guten überblick über sein werk.

besonders gefällt mir eine kleine bronze-skulptur: petit nu au canapé (henri matisse, nice 1924, bronze á la cire perdue, 23,2 cm).

ein mann sitzt auf einem canapé, die arme locker über dem kopf verschränkt, das rechte bein liegt über dem kurzen teil der rücken lehne und nur mit einem kleinen teil des rückens lehnt er sich an. der bronzene körper ist uneben und wirkt trotz der glänzenden, glatten und dunklen oberfläche rauh. der mann blickt in die ferne, er strahlt ruhe und gelassenheit aus, trotz seiner eher angespannten körperhaltung.

von cimiez fahre ich wieder hinunter in die stadt, überquere die urbane sud und fahre die avenue jean médecin, die einkaufsstrasse entlang, die heute für autos gesperrt ist, zum musée d´art moderne et d´art contemporain.

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ich nutze den museumstag in nizza und nehme mir zeit für das museum bis es um 18 uhr schließt. es ist ein sehr schönes museum für moderne und zeitgenössische kunst, das in der ausstellung vor allem schwerpunkte setzt und nicht versucht, moderne und zeitgenössische kunst im ganzen darzustellen.

auch architektonisch interessant, gebaut in vier säulen die durch glasgänge verbunden sind, so dass man auf jeder etage einmal im kreis von säule zu säule läuft. und auf dem dach kommt man wieder nach draussen und kann die innenstadt, die altstadt, den colline du câteau und den place garibaldi nochmal von oben sehen.

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aktuell gibt es eine ausstellung mit objekten von richard long, der unter anderem wanderungen überall in der welt, z.b. in schottland, nepal, iceland, marroko, südafrika unternimmt und mit fotos und texten dokumentiert. dabei schafft er temporäre werke in der natur, wie zum beispiel auf einem „a four day walk in norway 1973“ mit steinen, die mit dem schmelzenden eis es sommers langsam versinken.

auch im museeum schafft er temporäre werke mit steinen auf dem boden oder mit farbe auf den wänden die „withe water falls“ darstellen und den vorhanden raum gestalten.

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richard lang: withe waterfalls 2008
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richard lang: withe waterfalls 2008

in der ständigen ausstellung gibt es schwerpunkte zu christo, malaval, yves klein, jean tinguely & niki de saint phalle, neuem realismus, pop art und anderen.

besonders gefällt mit der saal mit jean tinguely & niki de saint phalle. in jean tinguelys relief bleu (1978) drehen sich räder die mit keilriemen verbunden sind langsam und bewegen verschiedene schrottobjekte. daneben steht grunewal’s motorrad, ebenfalls eine schottskulptur von tinguely (l’ecrobale, 1990) und dahinter ein relief von niki de saint phalle, dass sich auf tinguely bezieht (jean iii (méta-tinguely), 1992).

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jean tinguely: l’ecrobale – grunewal’s motorrad 1990
pièces métalliques, bois crâne, corne et moteur,150 x 80 x 130 cm
niki de saint phalle: jean III (méta-tinguely) 1992
peinture, bois, éléments métalliques et moteurs électriques sur bois, 185 x 123 x 21 cm

ein früheres werk von niki de saint phalle: pirodactyl over new york (1962) ist ein buntes comicartiges relief zum entdecken. neben dem empire state building fahren matchbox autos und daneben herrscht das chaos. eine unwesen mit scharfen zähnen verschlingt alles mögliche, daherum schwirren waffen und flugzeuge während unten am rande jesus neben anderen figuren herumsteht.

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niki de saint phalle: pirodactyl over new york 1962
peinture, plâtre, bois et objets divers, 250x 310 x 30 cm

am sonntag gehe ich meinen letzten tag in nizza etwas ruhiger an. eigentlich wollte ich nach der abfahrt vom mont alban eine kleine schifffahrt an der küste machen, aber die ausflugsfahren heute sind abgesagt, die nächsten gibt es erst am dienstag.

so suche suche ich mir eine kleine creperie am hafen mit dem schönen namen le pass’port mit blick auf die westliche hafenfront mit dem sonnigen colline du château, trinke kaffee und schreibe.

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nachdem ich im text in der gegenward angelangt bin esse ich noch einen leckeren schoko-crepe und fahre dann wieder um den hafen herum zur altstadt. in den alten ponchettes, einer flachen häuserzeile zwischen altstadt und promenade waren früher werftbetriebe und später fischhandlungen untergebracht. jetzt gibt es immer mehr restaurants und in zwei hallen gibt es die kommunale „galerie des ponchettes“ und die „galerie de la marine“.

in der „galerie des ponchettes“ ist eine ausstellung von michel gérard: „l´enfance de´l art“, in der am anfang eine kleine geschichte an die wand gemalt ist.

der galerieangestellte hier ist sehr gesprächig, fragt mich ob ich auch etwas kreatives mache und als er hört, das ich unter anderem filme ist er ganz begeistert und erzählt, dass er komponiert und u.a. auch filmmusik macht.

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in der „galerie de la marine“ ist die ausstellung „still lovin‘ you“. als pierre descamps eingeladen wurde, hier auszustellen, lud er gleich eine reihe von künstlerInnen ein mit ihm auszustellen, mit denen er freundschaftliche, intime und komplexe beziehungen hat.

zum beispiel nikolas holtzinger mit einer arbeit ohne titel aus dem jahr 2008. wie aus einem plotter oder einer druckmaschine scheint die plane sich von einer aluminiumstange abzurollen. darauf sind schöne plastikblumen und bäume in leuchtenden farben und glänzender oberfläche vor einem verschwommenen hintergrund eines bergtales abgebildet.

oder lina hentgen mit der videoanimatin chill & fear. wie in einem computerspiel spingen in der schwarz-weiss gezeichneten animation auf einem floss seltsame figuren und zwei füsse mit hut in die luft. hafischflossen tauchen zwischen den baumstämmen die das floss bilden auf und die begriffe „chill“ und „fear“. mit „dig“ beschriftete baumstümpfe wiegen ausgedörrte äste wie arme in der luft. im hintergrund eine türe: „knocking door to freedom“.

nach dem besuch der galerien starte ich eine kleine abschiedrunde durch nizza und fahre nochmal ein wenig die promenade des anglais entlang.

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danach gehe ich nochmal kurz auf das dach des musée d´art moderne et d´art contemporain, da ich da gestern nur wenige minuten vor der schliessung des museums sein konnte und geniesse die aussicht auf den place garibaldi, cimiez, die altstadt und den colline du château.

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dann besuche ich wieder mein bevorzugtes internetcafe beim gare nice ville und lade in turbo-geschwindigkeit alle nizza bilder hoch.

noch ein kleiner abstecher zum hafen und dann ein letztes mal auf den mont alban um in der jugendherberge diesen eintrag fertigzustellen.

mein letzter tag in nizza, einer stadt, in der ich bestimmt nicht zum letzten mal war. morgen geht es dann über monaco weiter nach menton, der letzten stadt in frankreich vor der italienischen grenze.



thomas molck

Veröffentlicht3. August 2008 von xthomas in Kategorie "Allgemein

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