Februar 9

bildung, bicycle and shortfilms

heute morgen regnet es, der himmel ist zugezogen, ich suche eine westpak bank um traveler cheques einzulösen und erledige ein paar einkäufe und dann gehe ich ins migration museum.

das museeum gefällt mir sehr gut. es zeigt die geschichte australiens seit dem beginn der einwanderung freier siedler im 19. jahrhundert recht kritsch. nach der entdeckung durch james cook 1770 nutzte grossbrittanien den kontinent ja zunächst mal als strafgefangenen kolonie und die freien siedler kamen erst später.

im museeum wird mir nochmal klar, dass das damals ja eine invasion war.

bezüge zwischen den aboriginals als den eigentlichen australiern und den kolonisatoren werden immer wieder, teilweise mit sehr einfachen mitteln, hergestellt.

auf tafel mit text und bild stehe informationen. diese tafeln können zur seite geschoben werden und in dahinterstehenden infos werden sichtbar, auf welchem grund adelaide entstanden ist:

“A Kaurna Site

‘Ivaritji (1840s to 1929) said, that our people occupied the area that become Adelaide’.

*Tarndanyangga’, their main campside, later become Victoria Square. The sacred rock near the river, ‘Tarnda Kanya’, or red kangaroo rock, was destroyed when its stone was quarried for buildings such as Holy Trinity Church and Old Parliament House. A rock sculpture now marks the significance of the site.”

Conversation with Lewis O’Brien, Kaurna Elder, 2002

darunter ein plan, wie die kaurna, die aboriginals auf dem gebiet des heutigen adelaide, das land bezeichneten. unten kann man einen knopf drücken und diese infos und der plan fahren zur seite und ein plan des neuen adelaide wird sichtbar, den der 16jährige robert thomas 1837 nach einem entwurf colonel william lights gezeichnet hat.

unterd dem titel “colonisation or invasion?” stehen verschiedene infos geschrieben.

die gründungerklärung south australias 1834 sagt, das land sei “waste and unoccupied”. aber tatsächlich lebten aboriginals hier seit 30.000 jahren. die europäer bauten zäune, zerstörten die traditionellen lebensgrundlagen der aboriginals und führten europäische landwirtschaft, alkohol und neue krankheiten ein.

sie erwarteten von den aboriginals, dass sie ihre gesetzt, sprachen und lebensweisen aufgaben und in abhängigkeit lebten. nach zehn jahren lebten 23.000 immigranten in adelaide und nur noch 300 aboriginals vom volk der kaurna.

aber auch das leben der ‘freien’ siedler war von klassengegensätzen geprägt:

dward gibbon wakefield definierte die theorie der sytematischen kolonialisierung (systematic colonisation): es gab nicht mehr kostenloses land für die siedler wie in anderen kolonien sondern land wurde verkauft und von dem geld wurde die kosten der übersiedlung der benötigten arbeiter bezahlt. “Wakefield proposed a society of masters and workers …”. south australia sollte so zu einer muster kolonie freier siedler werden.

“Wakefield’s plan of systematic colonisation needes ‘owners of capital’ and ‘owners of labour’ to form an ideal social mix in the new colony.”

heisst es auf einer infotafel und deutlicher kann man auf marx hier wohl kaum bezug nehmen. so wird auch die klassenherrschafte der ‘eigentümer des kapitals’ deutlich beschrieben: ein “Masters and Servants Act” bestimmte 1837, das arbeiter nicht ihren ‘arbeitgeber’ wechseln durften, da arbeit knapp war. arbeiter, die von ihren ‘arbeitgebern’ flüchten wollten, wurden bis zu drei monate lang an die bäume in den parklands gefesselt, da es kein gefängnis gab.

am ende des 19. jahrhunderts wurde dazu noch der rassismus in der einwanderungspolitik stärker. deutlich heisst es hier: “A WITHE AUSTRALIA – Nineteenth century Australia was an openly racist society.”

vor allem die einwanderung nicht-weisser sollte gestoppt werden. an einer wand kann man auf knöpfe drücken, mit welcher identität man einreisen möchte. noch als weisser brite gibt es grünes licht. als schwarzer der fliessend englisch spricht scheitert man an einem 50 wörter-diktat in ungarisch, als politischer aktivist in einem diktat in schottisch-gällisch (scottish gaelic).

am ende des museeums gibt es dann noch kleine zettel zum selbst ausfüllen. einwanderer können hier erlebnisse aus ihrer eigenen geschichte aufschreiben und alle können stellung nehmen zu fragen wie:

  • soll australien mehr flüchtlinge aufnehmen?
  • was für formen von rassismus oder diskriminierungen hast du erlebt?
  • wer ist ein australier?

einige ausgewählte antworten hängen darüber.

als ich aus dem museeum komme scheint wieder die sonne. ich leihe mir ein fahrrad und fahre noch ein paar stunden durch die stadt. sie wirkt relativ klein, dabei hat sie doch über eine million einwohnerInnen. aber die verteilen sich auf eine große fläche von kleinen ein- bis zweistöckigen häusern. das fängt schon im inneren ring der schachbrettartig angeordneten strassen die in der mitte durch einen kleinen park um den river torrens getrennt werden an. um diesen inneren ring führt natürlich ein sechs- bis achtspurige strasse und dann folgen die parklands, große parks in einem grünen ring um die innenstadt.

und jenseits der parklands folgen dann die vorstädte im westen bis ans meer und im osten bis an die adelaide hills. ausserhalb der parklands im westen ist auch das keswick terminal, von wo aus mogen mein zug, der “overland” nach melbourne startet.

ich fahre ein wenig durch die parklands und die abgelegeneren strassen im inneren ring. esse einen sehr leckeren burger bei “burger it” auf der o’connell street und schreibe dann im etwas ruhiger gelegenen regattas bistro am river torrens, auf dem gerade verschiedene junge rudermannschaften trainieren.

später gehe ich noch zum kurzfilmfestival , das heute hier beginnt. immerhin bekomme ich den ersten abend mit <-:.

es findet ein paar häuser neben dem youth hostel im garage bar and dining statt, einer alten garage in der jetzt eine bar eingerichtet ist. und zwischen den filmen gibt es kleine speisen. sehr nett.

die australischen kurzfilme können sich mit den kurzfilmen der oberhausener kurzfilmtage durchaus messen. es gibt auch experimentelle filme, aber die mehrzahl der erzählt eine geschichte, so wie auch einer der wichtigen eröffnungsredner meinte: “short film is about story telling”.

zum beispiel “oranges” von kristian pithie (victoria, australien, 11 min).

ein junge fährt mit seinem fahrrad nach hause. er achtet nicht so genau auf den weg und stürzt auf ein auto. black out. er wacht in der wohnung eines älteren jungen auf. der bietet ihm orangen an, aber er lehnt ab. genüsslich steckt der ältere ein orangenstück in den mund. sie gehen spazieren, reden über mädchen. der ältere junge gibt an, schon drei freundinnen gehabt zu haben. der jüngere meint, mit seiner zahnspange würde ihn sowieso keine küssen. daraufhin streicht der ältere zunächst mit dem finger über seinen mund um ihn dann zart zu küssen. der jüngere ist irritiert und läuft zunächst weg. der ältere geht ihm nach und sagt, dass es auch für ihn das erste mal war. am nächsten tag begegnen sich die beiden flüchtig auf dem schulhof. der jüngere sitzt allein und beisst in ein stück orange …

aber es gibt auch dokumentarfilme, wie “vets” von jason munn (south australia, 20 min) in dem australische soldaten die im vietnam krieg gekämpft haben aus ihrem leben berichten. ein film, der mich ein wenig an unseren filme “spaniens himmel über amerika” über die spanienkämpfer aus den usa erinnert, den markus und ich gerade gemeinsam mit frank von der geschichtswerkstatt oberhausen fertiggestellt haben. wenngleich hier natürlich in gewisser weise die ‘kämpfer von der anderen seite’ erzählen.



thomas molck

Veröffentlicht9. Februar 2005 von xthomas in Kategorie "au adelaide

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