venedig 2026 – arsenale & giardini (la biennale)
am wochenende besuche ich die haupt-ausstellungsorte der biennale im arsenale des alten hafens und in den giardini mit den klassischen pavillons. am freitag davor und am montag erhole ich mich am strand im norden von lido.
nach längeren touren durch die stadt in den ersten fünf tagen brauche ich am freitag etwas erholung. ich gehe den tag ruhiger an und fahre erstmal wieder mit dem bus zum free beach am lido d’annunzio. diesmal laufe ich erstmal den strand entlang bis zum letzten strandabschnitt im norden, wo das naturschutzgebiet beginnt. hier ist nicht mehr soviel los und ich schwimme etwas länger am strand entlang und zurück, danach geht es dann erstmal wieder zurück zum hotel.
später fahre ich dann doch nochmal in die stadt zum markusplatz und besuche in der gegend noch zwei ausstellungen. zunächst direkt am markusplatz den collateral event der biennale mit einer einzelausstellung von tadeusz kantor.
und etwas weiter vom markusplatz nach osten liegt im palazzo delle prigioni direkt neben dem dogenpalast der „pavillon taiwans“, der offiziell aber auch als collateral event geführt wird, vermutlich um der frage einer anerkennung taiwans als nationaler teilnehmer aus dem weg zu gehen. hier wird ein surrealer film mit einer KI-generierten figur die über kunst und wahrnehmung spricht. platz nehmen kann man zum zuschauen auf skulturen von gliedmaßen.
so habe ich bis 19 uhr noch zwei collateral events rund um den markusplatz besucht und fahre jetzt noch nach giudecca zum essen am kanal.
am samstag fahre ich dann direkt zur station arsenale und bin pünktlich um kurz vor 11.00 uhr am eingang, um möglichst viel zeit in der ausstellung verbringen zu können. wie frühere biennalen auch, startet die biennale 2026 mit dem titel „In Minor Keys“ bunt, das fühlt sich schon mal gar nicht so nach moll an, sondern eher laut.
direkt am anfang läuft auf vier leinwänden Cauleen Smith film „The Wanda Coleman Songbook“ einer „multi-sensory meditation on Los Angeles“. in der mitte stehen sofas und laden zum verweilen ein.
es folgen weitere bunte gebilde von guadalupe maravilla mit dem sprechenden namen „ICE Age Disease Thrower“, fotos von carrie schneider auf eine einen kilometer lange „factory “jumbo roll” of chromogenic paper“ gedruckt und daneben alte schwarz-weiss fotos aus der dunkelkammer von eustáquio neves.
es folgen große hoch aufgehangene bilder des afrikanischen künstlers kaloki nyamai die ein wenig wie batik wirken und später dann düster melancholische skulpturen in der sich menschen, pflanzen und tiere verbinden von nick cave und diverse weitere inspirierende werke aus aller welt in der corderie, der ehemaligen seil- und schiffstauwerkstatt des arsenale die seit 1998 teil der biennale ausstellung ist.
azya’ yassin wirkt wie pop art, ist aber eine sehr persönliche auseinandersetzung von raed yassin mit seinem vater, samir yassin, der in paris bei pierre cardin modegestalter wurde und dann von den 60er bis in die 80er jahre in beirut ein gefeierter modemacher wurde. beirut war damals das „kleine paris des mittleren ostens“ mit viel französischer modekultur, burlesque kabaretts und chicen models. später stetzte er seine modeschaffen in saudi arabien fort und hatte dort auch eine liebesbeziehung mit einer saudischen prinzessin, die aber aufgrund der strengen sozialen beschränkungen inn saudi arabien nicht ausgelebt werden konnte. der ehemann der prinzessin entdeckte die beziehung und sie wurde getötet, samir yassin ging zurück nach beirut, wo er zurückgezogen und versteckt lebte und keine kleidung mehr gestaltete. aber seine sehnsucht nach mode blieb. da es in der zeit keine models in beirut gab, gestaltete er ausgeschnittene models aus dem playboy magazin die er mit polaroid fotografierte. mitte der 80er jahre wurde er dann in beirut ermodert.
irgendwie passt die geschichte zu den immer wieder ausgestellten skulpturen einer „Verzauberung von Schönheit und Schmerz“ (ausstellungstext) und den morphing bildern in „Grapht“ nick caves.
am ende der corderie geht es dann wieder nach draußen ins arsenale zu den länderpavillons im hinteren teil.
in den videos zum projekt „Security Guarantees“ wird der weg der skulptur „The Original Deer“ von Zhanna Kadyrova auf einem lastwagen aus pokrovsk im donbass, bevor es von russland erobert wurde, quer durch die ukraine und europa bis in die giardini auf der biennale arte 2026.
im pavillon der emirate daneben geht es vor allem um sound aus kleinen von der decke hängenden boxen.
im pavillion maltas fällt mir vor allem eine videoinstallation mit schwarz-weiss zeichnungen von Raphael Vella: „Praying for a Revolution That Will Never Come“ ins auge.
Guided by a philosophy of “doubting well”, the pavilion attempts to counter the certainty of political rhetoric and the extremes in which the world finds itself. That is, not a paralysis leading to inaction, but rather a call to action, and a vital act of resistance. (Biennale-Webseite Pavillon Malta)
im pavillon chiles steht in einem weißen raum ein kaltes weißes gebilde, eine figur deutet an, dass man durch kleine löcher ins innere schauen kann und eröffnet sich eine andere, warme, bunte und naturverbundene welt.
am ende der ausstellung im arsenal kommen dann die pavillions italiens und chinas und der anschließende giardino delle vergini mit einigen weiteren skulpturen wie dem botanischen objekt symbiosis, das noch zum beitrag chinas gehört. ausserdem gibt es noch kleine häuschen von denen die meisten gerade renoviert werden, aber in einem mit efeu überwucherten kleinen haus ist noch eine „Parfumerie“
ich laufe nochmal zurück durch die ausstellung zurück zum haupteingang, wo poster der biennale besonders queers und trans menschen willkommen heißen und dann für eine pizza zur via giuseppe garibaldi. dann geht es durch den kleinen park mit der viale giuseppe garibaldi zur vaporetto station giardini und im sonnenuntergang zurück zum lido.
am sonntag fahre ich dann zu den giardini. dieses jahr nehme ich den seiteneingang auf der insel sant‘ elena und gehe gleich als erstes zum pavillon österreichs von dem ich schon im vorfeld gelesen haben.
im innenhof werden die besucher*innen von den performerinnen, die den pavillion bewohnen, empfangen und aufgefordert, in zwei dixi-klos ihren urin zu spenden. in aufwändigen technischen installation der „Seaworld Venice“ wird er zu sauberen wasser verarbeitet.
das wasser fließt in die räume des pavillons und in einen wassertank im zentrum, in dem eine performerin im wasser lebt. in zwei anderen räumen fahren sie regelmäßig jetski und hängen sich an einem pole mit mehreren windfahnen auf.
jede stunde hängt eine performerin in der glocke vor dem pavillon und läutet.
weil ich diesmal in dem teil der giardini auf sant‘ elena gestartet bin, schaue ich mir auch zunächst die weiteren pavillions und objekte in diesem teil an.
zum pavillon rumäniens hatte ich ja schon am mittwoch im ladenlokal am campo santa fosca den video zur ausbeutung der wüste und des meers für rohstoffe gesehen. insgesamt am spannensten find ich bis hierher aber die beiden pavillons an den enden dieses durch den rio dei giardini abgespaltenen teils der giardini, österreich und giechenland. irgendwie habe ich im kopf, dass das schon öfter so war hier.
jetzt laufe ich auf die andere seite des rio dei giardini zu den größeren pavillions im zentrum. irgendwo habe ich von der hierarchischen struktur der pavillions gelesen und rein von der architektur sieht das schon genauso aus.
der israelische pavillon ist hier wegen renovierungsarbeiten geschlossen, nachdem er vor zwei jahren zwar bespielt, aber wegen des kriegens ebenfalls geschlossen war. diesmal gibt es einen alternativen ort im arsenale mit einem ensemble von tropfen die von oben in in schwarzes becken tropfen.
ich laufe weiter zum pavillion finnlands und ungarns und von hier aus denn einmal rund um die „großen pavillions“.
im pavillon dänemarks geht es um den weltweiten rückgang der männlichen fruchtbarkeit. in einem raum der auf ca. 35° hoch geheizt ist wird pornostar nicolette shea als laborwissenschaftlerin in einer samenbank im jahr 2045 gezeigt. es geht auch um die verbindung von digitalen darstellungen von porno, die nach studien die auch die spermienmotilität deutlich erhöhen.
gegenüber geht es im pavillion der schweiz um homosexualität im fernsehen und die ungelösten herausforderungen des zusammenlebens.
der pavillion russlands ist wieder geschlossen. zur eröffnung der biennale während der vorbesichtigungstage für fachleute vom 5. bis 8. mai fanden im pavillion unter ausschluss der öffentlichkeit verschiedene darbietungen im einer art volksmusikfestival unter dem titel „Der Baum ist im Himmel verwurzelt“ statt, von dem jetzt von draußen videos zu sehen sind. eine vollständiger öffnung des pavillions stünden die europäischen sanktionen nach der EU verordnung 833/2014 entgegen. trotzdem veranlasste die zulassung des russischen beitrags die EU kommission der biennale eine EU zuschuß von zwei millionen euro zu entziehen. die jury der biennale trat aus protest zurück und die eröffnung mit dem festival im russischen pavillon war von protesten russischer künstler*innen, unter ihnen auch pussy riot, begleitet.
der deutsche pavillion wurde diesmal von sund tieu die als kind vietnamesischer vertragsarbeiter*innen in der ddr aufwuchs, mit einem mosaik im stile des plattenbaus in der gehrenseestrasse in ostberlin, einem der größten wohnblocks der vertragsarbeiter*innen in der ddr, gestaltet. auch im pavillion läßt die kurz vor der biennale verstorbene henrike naumann mit einer interpretation eines sozialistisch-realistischen wandgemäldes ein stück ddr aufleben.
katar ist erstmals mit einem – diesmal noch temporären – pavillion vertreten in dem videos auf einer großen leinwand gezeigt werden und vor allem eine küche an einer theke die möglichkeit bietet, essen und trinken anzubieten. gerade vor allem eine gute gelegenheit, sich mit trinkwasser zu versorgen 😉
der pavillon der niederlande wird als festung selbst zum objekt in dem keine ausstellung sondern regelmäßige performances in denen verschiedene darsteller*innen die mit einer gutturale gesangstechnik aus dem death metal, dem grunting botschaften „love yourself“ oder „care for yourself“ in den raum geben. dazu verschließt sich der pavillon nach dem einlaß zu jeder vollen stunden, rolladen fahren herunter, der pavillion wird zur festung. ich sehe eine performance von Misty Superdeluxe.
nun geht es diesmal am ende, am späten nachmittag in den zentralen pavillion in den giardini.
hier finden sich in diesem teil der von kuratierten haupausstellung „In Minor Keys“ einige der künstler*innen aus dem arsenale wieder, wie Werewere Liking oder Daniel Lind-Ramos. insgesamt überzeugt mich das konzept der ausstellung, auch wenn es diesmal weniger politisch, eben in „Moll“ erscheint. aber trotzdem bunt und mit viel lebensfreude in dem werken, was in der heutigen zeit vielleicht besonderes wichtig ist. daran erinnert auch nochmal die skulptur aus dem projekt der ukraine, “Security Guarantees”, das im arsenale schon als video dokumentiert wurde. hier jetzt hängt die skultur auf einem transporter am ausgang der giardini.
nach dem langen tag fahre ich direkt zurück zum lido und am montag, wo ohnehin die meisten ausstellungen der biennale ihren ruhetag haben, bleibe ich auch dort und machen nochmal die kleine strandwanderung vom free beach zum naturschutzgebiet an der nordspitze, schwimme im meer und erhole mich etwas.



















































































































































