Februar 17

politische aktion, anagagebirge und unschönigkeiten

nachdem ich vorgestern einen ruhigen tag mit lesen, schwimmen und sonnen im liegestuhl am meer verbracht habe, bin ich gestern zunächst am morgen in die inselhauptstadt santa cruz gefahren. auf der plaza españa hatten politische aktvisten zelte und transparente „no puerto granadilla“ aufgestellt. später bin ich dann von santa cruz auf den pico del ingles aufgestiegen …

„no puerto granadilla“ hatte ich auch in el médano schon als parole auf betonwänden gelesen. bei der aktion auf dem plaza españa gab es mehr infos. geplant ist wohl unterhalb der motaña pelada einen riesigen hafen zu bauen, dirket neben den naturschutzgebieten motaña pelada und motaña roja und den stränden von el médano. die zelte auf dem plaza españa sind zwar leer, erzeugen aber viel aufmerksamkeit für die transparente, schautafeln und den großen in infostand.

von der aktion bin ich dann zur nationalparkverwaltung des teide und bekam dort leider die information aus el médano bestätigt, dass bis auf weiteres aus witterungsgründen keine genehmigungen zum aufstieg auf die spitze des teide erteilt werden.

ich laufe auf einer kleinen gasse, die parallel zum großen küstenstraße am hafen entlangführt. bezeichnenderweise kurz nach der militärverwaltung überquere ich die „rambla del general franco“. unglaublich, dass eine straße hier noch den namen des faschistischen diktators tragen kann. zum glück gibt es wenigstens keine „calle de adolf hitler“.

an der rambla steht, dem meer zugewand, ein denkmal eines jünglings mit engelsflügeln auf dem ein mann mit einem schwert steht. irgendwie lässt sich dass auch als bild einer militaristisch missbrauchten jugend lesen, wenn man direkt eine negative konnontation des kriegerischen beim anblick des schwertes im kopf hat.

kurz nach der rambla beginnt der barrio del tahodio, an dem eine kleine straße zunächst einige kilometer hoch ins anagagebirge führt. nach einiger zeit geht rechts ein steiniger fusspfad höher ins valle luis.

und dann geht es eine ganz lange zeit in der etwas düsteren zerklüfteten und menschenleeren gebirgslandschaft des anagagebirges einfach immer nur höher. nur einmal begegne ich einem bauern mitten in diesem verlassenen, öfter höre ich die bellenden hunde verschiedenster anwesen und einmal stehen zwei pferde mitten auf dem pfad.

nach etwa drei stunden bin ich ziemlich erschöpft und es ist auch recht kalt, da ich schon fast in den wolken wandle. aber ich bin noch nicht am ziel und der point of no return ist auch schon lange überschritten und so quäle ich mich das letzte stück bis ich nach etwa dreieinhalb stunden auf dem pico del ingles ca. 8 km entfernung und fast 1000m höhenunterschied hinter mir habe.

und die aussicht ist wirklich beeindruckend, santa cruz im südosten und die küste auf der anderen seite der insel im nordwesten. leider ist das gebirge nur sehr wolkenverhangen und manchmal ziehen die wolkenschleier auch direkt durch mich hindurch.

vom cruz del carmen neben ich einen bus, der über den gebirgskamm des anagagebirges weiter nach südwesten fährt. wirklich eine schöne strasse von der ich immer wieder auf beiden seiten bis zum meer sehen kann.

der bus endet in el bailadero. ich frage den busfahrer sicherheitshalber noch, ob mein anschlussbuss mit der haltestelle „cruz del bailadero“ auch hier hält und er mein, ja ja, der hält hier.

ein wenig fühle ich mich hier wie am ende der welt. es gibt ein etwas unwirklich wirkendes grünes haus genau auf dem kamm mit einem einfachen cafe, in dem ich gemütlich noch einen espresso trinke um dann kurz vor der erwarteten ankunft des busses zurück nach santa cruz wieder aufzubrechen.

ich sehe den bus schon, wie er sich die serpentinen von taganana hoch windet und plätzlich entdecke ich auf der karte, dass es vermutlich gar nicht hier vorbeikommen wird sondern durch einen tunnel unter el bailadero hinwegfährt.

deshalb heisst die haltestelle auch „cruz del bailadero“. ich renne ein wenig um vielleicht noch rechtzeitig ans ende des tunnels zu kommen. als ich merke, dass die strecke zu lang ist versuche ich verzweifelt zu trampen und tatsächlich nimmt mich ein auto bis zum ende des tunnels mit. aber der bus ist schon weg, ich sehe ihn noch in der ferne.

aber wieder habe ich glück und eines der ersten autos in richtung santa cruz hält an. ein französisches pärchen nimmt mich sogar mit bis zur autobahnabfahrt nach el médano. aber im auto stelle ich fest, dass ich meine geldbörse verloren habe. vermutlich beim rennen nach dem bus muss es aus meiner jacke gefallen sein.

immerhin bekomme ich, ohne geld in der tasche, noch einen weiteren lift von der autobahnabfahrt in den ort nach el médano. trampen ist irgendwie überraschend einfach hier.

heute bin ich dann wieder mit dem bus nach santa cruz und von dort weiter zum „cruz del bailadero“. dort bin ich dann diesmal die 2,5 kilometer nach el bailadero zu fuss gelaufen, aber leider lag meine geldbörse nirgendwo am strassemrand. aber niemals hätte ich gestern diese strecke in 5 minuten, nachdem der bus unten in taganana schon losgefahren war, geschafft. auch nicht gerannt.

in dem bergcafé oben am ende der welt ist leider nur ein alter mann der mich nicht versteht. so mache ich mich wieder auf den weg nach unten um spätestens in einer stunde den bus zurück nach santa cruz zu erwischen.

zumindest geniesse ich nochmal wunderbare aussichten im anagagebirge mit sonne und in der ferne im südosten ist sogar gran canaria gut zu erkennen.

es ist nicht viel verkehr auf der strasse und diesmal klappt es auch nicht so schnell ein auto anzuhalten, das mich noch vor dem bus mitnimmt. nach vier kilometern in endlosen serpentinen herunter nach san andres stehe ich an einer bushaltestelle und überlege gerade, jetzt doch besser hier auf den bus zu warten damit er gleich nicht an mir vorbeifährt weil ich an keinem haltepunkt stehe, da nimmt mich doch noch ein älteres spanisches ehepaar mit nach santa cruz.

ähnlich wie bei dem französichen pärchen gestern sprechen die beiden weder deutsch noch englisch. trotzdem zeigen sie interesse, fragen woher ich komme, wie mir teneriffa gefällt, …

in santa cruz frage ich an einem tourist-infostand wo ich bei einer polizeistation fragen kann, ob meine geldbörse vielleicht gefunden wurde. sie geben mir eine telefonnummer, wo ich immerhin in englisch den verlust registrieren lassen kann und eine nummer bekomme, mit der ich bei der nationalen polizei ein protokoll darüber bekomme.

die nationale polizei finde ich auf der avinida tres de mayo nahe beim busterminal. die polizisten sprechen tatsächlich nur rudimentär englisch und geben mir erstmal einen telefonhörer in die hand, wo ich das ganze nochmal auf englisch darlegen soll. es lässt sich dann aber schnell klären, dass ich das bereits hinter mir habe.

nach der nummer finden sich im computer meine angaben die nach kleineren korrekturen ausgedruckt werden. ein exemplar bekomme ich. ob meine geldbörse gefunden wurde weiss der computer hingegen nicht. keine gute vernetzung wo es mal sinnvoll wäre.

ob meine geldbörse gefunden wurde, könne ich bei der lokalen polizei erfahren, meint der polizist. die ist zum glück nicht weit weg, aber dort erfahre ich, dass die zuständige stelle erst montag wieder geöffnet ist. immerhin gibt es eine telefonnummer.

so fahre ich relativ erfolglos zurück nach el médano. aber ich nehme das ganze mal als handlungsorientierte lernerfahrung. und dass sind, gerade wenn handlungsziele enttäuscht werden, ja die wirksamsten lernerfahrungen, wie ich auf der rückfahrt in einem e-learning kompendium lese (Niegemann und andere: Kompendium E-Learning. berlin, heidelberg 2004. s. 37).

da sich vor montag ohnehin nix klären lässt, werde ich das wochenende dann wohl erstmal relaxed mit sonne , meer und büchern verbringen …



thomas molck

Veröffentlicht17. Februar 2006 von xthomas in Kategorie "es teneriffa

3 COMMENTS :

  1. By xpatrick (Beitrag Autor) on

    Hiho thomas,
    so nebenbei lese ich gerade in Deinem Weblog und Deine Eintragungen beginnen auf einmal mich zu feseln. Krass, was Dir immer passiert. Schreib mal ein Buch über Deine Erlebnisse! Ich hoffe, Du hast als Ausgleich mal Glück und Deine Geldbörse wird gefunden und Dir wieder zugestellt. Langsam wird es neben dem Apple-Crash-Counter im Hiwiki Zeit für einen thomas-lost-geldbörsen-counter;-)

    Beim Anblick Deiner Bilder bekomm ich richtig Lust auf Urlaub. Ich beneide Dich, sieht echt klasse aus (auch wenn die Kamera einen dunklen Schleier auf die Fotos wirft).

    Lass Dich nicht unterkriegen und verbringe noch einen schönen Urlaub:-))
    Viel Spass…

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